Kommentar

Warum Kita und Schule getrennt gebaut werden

Die Verwaltungsstrukturen verhindern eine erwünschte gemeinschaftliche Nutzung. Warum muss das sein, fragt Isabell Jürgens.

Foto: dpa/Reto Klar/BM Montage

Berlin. Wenn neue Siedlungen gebaut werden, ist es mit der Schaffung von Wohnraum nicht getan. Zu lebenswerten und funktionierenden Quartieren gehören selbstverständlich auch Kitas und Schulen, Jugend- und Seniorentreffs oder auch Bibliotheken. Angesichts des Platzmangels und der Entstehung einer bunt gemischten Nachbarschaft wäre es eine gute Idee, diese soziale Infrastruktur, wie es im Verwaltungsdeutsch heißt, unter einem Dach zusammenzufassen. So weit, so logisch – im Berliner Behördendschungel aber beinahe unmöglich.

Denn diese Nutzungen fallen in verschiedene Zuständigkeiten. Die Kitas etwa sind in Eigenbetrieben und bei freien Trägern organisiert, die Schulen bei den bezirklichen Schulämtern, Bibliotheken dagegen fallen ins Kulturressort. Und da stellt sich die spannende Frage, wer bei den Planungen den Hut auf hat – und wer am Ende für die Gebäudeversicherung oder den Hausmeister zahlt. Darüber kann man sich trefflich streiten. Dass es solche Gemeinschaftseinrichtungen bisher nur als experimentelle Ausnahmeprojekte gibt, ist aber nicht in erster Linie den Ressort-Egoismen geschuldet, sondern dem enormen Verwaltungsaufwand, der mit einer solchen gemeinschaftlichen Nutzung eines Gebäudes einhergeht. Und der manchen Mitarbeiter in den Ämtern schier verzweifeln lässt.

Am Montag haben sich nun alle beteiligten Fachabteilungen auf Senats- und Bezirksebene zusammengesetzt, um endlich Strukturen zu verabreden, damit gemeinschaftliche Leuchtturmvorhaben in Berlin zur Regel werden können. Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) soll seine Bereitschaft signalisiert haben, die haushalterischen Steine aus dem Weg zu räumen. Er sollte sein Versprechen halten, damit sich große und kleine Kinder – und vielleicht auch noch Senioren – unter einem Dach begegnen können.