Kommentar

Wir brauchen besseren ÖPNV - statt verpollerter Wohngebiete

In Berlin werden zusehends Poller aufgestellt, um Straßen für Durchgangsverkehr zu sperren. Gilbert Schomaker ist skeptisch.

Gilbert Schomaker über die Poller-Pläne für Berlins Kieze.

Gilbert Schomaker über die Poller-Pläne für Berlins Kieze.

Foto: dpa/Montage BM

Den Ärger der Anwohner kann man häufig verstehen: Wenn morgens und abends im Berufsverkehr die Durchgangsstraßen verstopft sind, suchen sich viele Autofahrer einen Schleichweg durch die Wohngebiete. Das führt zu Lärm, schlechter Luft und Gefahren für Kinder auf dem Schulweg. Zumal viele Autofahrer viel zu schnell durch die engen Straßen fahren. In Berlin gibt es nun eine Bürgerbewegung, die in Dutzenden Kiezen Poller aufstellen will.

So sollen die Wohngegenden in Pankow, Kreuzberg oder auch Lichtenberg vom Autoverkehr befreit werden. Wie gesagt, aus Anwohnersicht ist dieser Wunsch nachvollziehbar.

Aber wie sieht es für Autofahrer aus? Aus der Sicht von Berufspendlern, die die Durchgangsstraßen nutzen, ist das keine Lösung. Denn der aus den Wohngebieten verdrängte Verkehr findet sich dann auf den großen Straßen wieder. Das bedeutet noch mehr Stau, Stillstand und schlechte Luft durch das ständige Anfahren und Bremsen.

Da das Fahrrad für viele Menschen keine echte Alternative ist – weil die Wege zu lang sind, oder sie auf dem Weg zur Arbeit ihr Kind zur Kita bringen müssen –, ist die eigentliche Alternative der öffentliche Nahverkehr. Dass er ausgebaut werden muss, ist schon lange politischer Konsens. Rot-Rot-Grün setzt auf weitere Straßenbahnen. Die SPD will zudem den Bau von U-Bahnen forcieren.

Doch Gleise ober- oder unterirdisch zu verlegen, dauert sehr lange. Für ein paar Kilometer neue Straßenbahn braucht der Senat von Planung bis Fertigstellung zurzeit etwa acht Jahre. In der Zwischenzeit muss etwas geschehen: für die geplagten Berliner in Wohngegenden und gegen den Stillstand auf den Straßen. Die einzig schnelle Lösung ist der Ausbau des Busverkehrs – und ein vernetztes Denken, damit Mobilität in der Großstadt möglich bleibt.