Kommentar

Berlin kauft Asbestwohnungen - Was für ein Fiasko!

7000 gekaufte Wohnungen sind asbestverseucht. Der Staat darf nicht fahrlässiger prüfen als Privatkäufer, meint Patrick Goldstein.

Patrick Goldstein

Patrick Goldstein

Foto: Maurizio Gambarini

Stellen wir uns vor, Sie wollen eine Wohnung kaufen. Die Gegend stimmt, die Finanzierung ist gesichert, und die Rahmendaten stimmen auch. Also rein in die Wohnung, am besten mit einem Baufachmann, und dann unter jeden Teppich gucken, Wände auf Trockenheit prüfen und nach Schimmel forschen. Ist die Wohnung insgesamt in Ordnung, kauft man und hofft, nichts übersehen zu haben. So läuft das im Kleinen, denn es geht ja um das eigene Geld.

Mit öffentlichen Mitteln wird hingegen lockerer umgegangen. Und gibt es politischen Druck, schnell Wohnungen zu kaufen, scheint Sorgfalt keine Rolle mehr zu spielen.

920 Millionen Euro haben zwei Quartiere in Spandau und Reinickendorf gekostet – begutachtet wurde offensichtlich nicht gut genug. Stattdessen wurden Gebäude von außen in Augenschein genommen. Den Zustand der Wohnungen schätzte man anhand des Alters. Ein teures Fehlverhalten, wie sich jetzt zeigt. Denn viele dieser im vergangenen Jahr erworbenen Wohnungen sind asbestverseucht.

Wohnungsgesellschaften sitzen auf 42.893 solcher Objekte

Mehr als 7000 Asbestwohnungen wurden 2019 gekauft, insgesamt sitzen die Wohnungsgesellschaften inzwischen auf 42.893 solcher Objekte. Experten gehen bei Durchschnittswohnungen von Sanierungskosten um die 10.000 Euro aus. Zu den 920 Millionen Euro, die das kommunale Unternehmen für die ehemaligen Sozialwohnungen zahlte, kommt also noch eine zweistellige Millionensumme hinzu.

Als „toxisch“ habe man das Geschäft in der Berliner Baubranche bezeichnet, sagt der baupolitische Sprecher der CDU, Christian Gräff. Und wirklich: Wer Wohnungen kommunalisiert, muss immer sehen, welche Kosten langfristig auf die Kommune zukommen – ganz zu schweigen von der Frage, was die Mieter eigentlich von dem Deal haben. Dieses Geschäft muss der Rechnungshof prüfen.