Kommentar

Berlins AfD vor Rechtsruck

Der Abschied von Landeschef Georg Pazderski kann eine Zäsur in der Berliner AfD bringen, schreibt Joachim Fahrun.

Aus Sicht Pazderskis soll die AfD eine Art bessere CDU sein: konservativ, seriös, pragmatisch, arbeitsam. Der Berliner Landesverband gilt unter seiner Leitung auch als im AfD-Spektrum vergleichsweise liberal. Das könnte sich ändern, wenn sich die Führungsperson ändert.

Aus Sicht Pazderskis soll die AfD eine Art bessere CDU sein: konservativ, seriös, pragmatisch, arbeitsam. Der Berliner Landesverband gilt unter seiner Leitung auch als im AfD-Spektrum vergleichsweise liberal. Das könnte sich ändern, wenn sich die Führungsperson ändert.

Foto: pa/Montage BM

Berlin. Georg Pazderski war lange der mächtigste Mann in der Berliner AfD. Der ehemalige Offizier steht seit sechs Jahren an der Spitze des Landesverbandes und führt auch die Fraktion, seit die Rechtspartei 2016 ins Abgeordnetenhaus eingezogen ist.

Das Parteiamt gibt der 68-Jährige jetzt auf. Beide Aufgaben fordern den ganzen Mann, und halbe Sachen mag der Oberst im Ruhestand nicht. Im Parlament behält Pazderski seine Position. Sie sichert Einkommen, einen professionellen Apparat und eine Stimme in der Landespolitik.

Das Ehrenamt in der Partei bedeutet hingegen Kärrnerarbeit beim Parteiaufbau und ständigen Kampf mit rechtslastigen Radikalen, die Pazderski gerne aus der AfD heraushalten oder rauswerfen möchte. So laufen in Berlin ein halbes Dutzend Ausschlussverfahren gegen Mitglieder, die mit verfassungsfeindlichen Aussagen aufgefallen sind.

Aus Sicht Pazderskis soll die AfD eine Art bessere CDU sein: konservativ, seriös, pragmatisch, arbeitsam. Der Berliner Landesverband gilt unter seiner Leitung auch als im AfD-Spektrum vergleichsweise liberal. Das könnte sich ändern, wenn sich die Führungsperson ändert.

Berliner AfD: Gottfried Curio wird als Kandidat für die Pazderski-Nachfolge gehandelt

Der Bundestagsabgeordnete Gottfried Curio, der als möglicher Kandidat für die Nachfolge gehandelt wird, äußert sich deutlich prononcierter und bedient rechte Vorurteile viel eher als der staatstragende Ex-Nato-Offizier. Nicht auszuschließen, dass Berlins AfD unter einer anderen Regie weiter in Richtung des vom Verfassungsschutz beobachteten „Flügels“ driftet. Für bürgerliche Köpfe würde es schwerer werden, in einer solchen Partei aktiv zu sein.

Dann darf die AfD zwar den rechten Rand bespielen. Aber der Weg zu einer ernstzunehmenden politischen Kraft, die mehr tut als Ressentiments zu bedienen, wäre versperrt. Aus Sicht der vielen Gegner der AfD wäre das gar nicht so schlecht.

5 Fakten zur AfD
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