Kommentar

Radfahren in Berlin - täglich ein Kampf David gegen Goliath

Fahrrad-Fahrer gegen Autofahrer: Täglich findet ein Kampf auf Berlins Straßen statt. Der Schwächere bleibt auf sich allein gestellt.

Foto: pa/Montage BM

In Berlin wird um die erste Radfahrerin getrauert, die 2020 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Ein Lkw erfasste die Frau am Kottbusser Tor in Kreuzberg. Beim Abbiegen. Wieder einmal – und doch verschlägt es einem immer wieder die Sprache.

Da findet auf den Straßen Berlins täglich die Auseinandersetzung David gegen Goliath statt, Zweiräder gegen Vierräder, und der Schwächere in dieser ungleichen Auseinandersetzung bleibt Monat für Monat, Jahr für Jahr auf sich allein gestellt. Ungeschützt. Gewiss: Radfahrer sind nicht qua ihres klimafreundlichen Fortbewegungsmittels die besseren Verkehrsteilnehmer.

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Es sind Leute auf dem Weg zur Arbeit, Menschen, die sich kein Auto leisten können, jene, die die ewige Parkplatzsuche auf den Sattel getrieben hat. Es sind auch die Ignoranten auf dem Bürgersteig, die Eiligen, die einem in der Einbahnstraße entgegenkommen, die mit den losen Mittelfingern.

Sechs Radfahrer kamen 2019 auf Berliner Straßen um

Es sind insgesamt dennoch: die Schwächeren. Sechs Radfahrer kamen nach Zählung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs im vergangenen Jahr auf Berliner Straßen um, bundesweit ist die Zahl von Januar bis Mai 2019 im ersten Halbjahr um elf Prozent gestiegen. Welchen Teil des Problems haben die Verantwortlichen in den Parlamenten da nicht verstanden?

Wer selbst Rad fährt, hat es unter anderem mit Autofahrern zu tun, die bei den Dimensionen heutiger Fahrzeuge gar nicht wissen, wo der Wagen beginnt und endet. Am Steuer schnittiger Mietautos sitzen junge Männer auf großer Fahrt. Und für jene Männer mit Ellbogen auf der Armlehne und dem Handy in der Rechten sind Velos merklich nur lästig. Auf Rücksicht können Radfahrer in Berlin kaum zählen. Aber die technischen Mittel zu ihrem Schutz – wie Abbiegeassistenten für Lkw – gibt es. Ihre Einführung wird mancher Radfahrer nicht mehr erleben.