Kommentar

Vorfreude auf das Jahr 2020

In Berlin gibt es im Jahr 2020 viel zu feiern – hoffentlich auch die BER-Eröffnung, schreibt Christine Richter.

Christine Richter mit einem Ausblick auf das neue Jahr.

Christine Richter mit einem Ausblick auf das neue Jahr.

Foto: Pavel Golovkin/AP/dpa; Reto Klar (Montage)

Ein aufregendes, ein anstrengendes Jahr geht zu Ende: 2019 gab es in Berlin ganz schön viel Wirbel um politische Themen wie die Enteignung von Wohnungsunternehmen oder den Mietendeckel, um die Verkehrswende und das Durchfahrtsverbote für alte Dieselfahrzeuge, um grüne Punkte und Findlinge, aber auch um verpollerte Radwege und E-Busse. Manchmal, so dachte ich, ist der soziale Frieden in der Stadt massiv gefährdet, weil so unerbittlich diskutiert wurde, weil der rot-rot-grüne Senat so unverfroren Klientelpolitik machte, weil das Motto „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich und damit mein Feind“ in so vielen Diskussionen durchschlug.

Auch jetzt, ganz zum Schluss, ging es noch einmal hoch her, zwischen den jungen Klimaschützern und den Großeltern wurde ein Generationenkonflikt aufgerufen, dass einem Angst und Bange werden kann für das Miteinander in unserem Land, in unserer Stadt. Beteiligt waren daran alle, „Fridays for Future“, der WDR, die sozialen Medien, Linke und Rechte. Wie kompliziert es geworden ist.

Hoffen wir für das Jahr 2020 das Beste. Für Berlin wird es, so viel steht heute schon fest, ein besonderes Jahr werden. Wir feiern 100 Jahre Groß-Berlin, am 1. Oktober vor 100 Jahren wurde die Urkunde unterzeichnet, mit der Berlin zur Millionen-Metropole mit all ihren Chancen und Problemen wurde. Wenn man sich mit der Stadtentwicklung seit der Gründung von Groß-Berlin beschäftigt, staunt man über die Weitsichtigkeit der damals Verantwortlichen. Manches Mal, wenn wir heute über Tram- oder U-Bahn-Ausbau diskutieren, wünsche ich mir deren Mut.

Der 8. Mai wird in Berlin Feiertag sein

Aber wir werden im kommenden Jahr auch an die Schreckenszeiten erinnern, denn am 8. Mai jährt sich zum 75. Mal der Tag des Kriegsendes, der Kapitulation von Nazi-Deutschland. Zum ersten Mal wird dieser Tag in Berlin ein Feiertag sein – leider nur im Jahr 2020. Aber immerhin bietet er die Chance, an all das Leid, das die Nationalsozialisten über Deutschland brachten, zu erinnern und deutlich zu machen, dass wir keinen Tag im Kampf gegen Rechtsextremismus nachlassen dürfen. Denn auch das hat das vergangene Jahr gezeigt: Der Terror von rechts ist in Deutschland eine große Gefahr, Menschen wie der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke wurden getötet, andere werden bedroht, täglich, auf schlimmste Weise. Dagegen müssen wir vorgehen, alle gemeinsam.

Und natürlich gibt es auch Ereignisse im Jahr 2020, auf die wir uns in Berlin freuen können. Auf die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 vom Hauptbahnhof bis zum Alexanderplatz. Auf die Eröffnung des Humboldt Forums, mit dem die Mitte der Stadt wieder ihr Herz zurückbekommt – und der Welt ein Forum bietet, sich mit unserer Geschichte, ihren guten, vielfältigen und problematischen Seiten auseinanderzusetzen. Auch die Berliner Geschichte wird dort in einer großen Ausstellung präsentiert werden.

Es wird wieder kontrovers und lebhaft werden

Und dann ist da noch der Flughafen, unser künftiger Hauptstadt-Airport BER, der am 31. Oktober eröffnen soll. Endlich. Acht Jahre nach der eigentlich geplanten Inbetriebnahme, nach vielen Flughafenchefs und immer neuen Hiobsbotschaften. Kurz vor Ende des Jahres hatte sich Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup getraut, einen Eröffnungstermin zu nennen. Drücken wir die Daumen, dass nun die letzten Prüfungen gut und auch die Testläufe reibungslos verlaufen, damit ab Ende Oktober dann die Flugzeuge vom BER starten können.

Warum eine Abschiedsparty von Tegel geplant ist, den doch nach einem erfolgreichen Volksbegehren mehr als eine Million Berliner offenhalten wollen, das bleibt das Geheimnis des Flughafenchefs und des Berliner Senats. Aber das zeigt schon auch: Es wird wieder kontrovers und lebhaft werden, das Jahr 2020 in Berlin. Ich freue mich darauf.