Kommentar

Im Gesundheitssystem läuft etwas grundsätzlich falsch

Krankenhäuser sparen immer mehr Personal ein. Es sollten die Kliniken belohnt werden, die Kranken am besten helfen, findet Jens Anker.

Jens Anker

Jens Anker

Foto: Reto Klar

Berlin. Wenn kranke Ärzte kranke Menschen behandeln, dann läuft im Gesundheitswesen etwas eindeutig falsch. Die Zahlen aus einer Befragung der Mediziner in Berlin und Brandenburg im Auftrag der Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund zeigen jedoch ein dramatisches Bild. Ein Drittel der Ärzte an Krankenhäusern gaben an, regelmäßig Burn-out-Symptome an sich zu erkennen. Um die Überarbeitung zu kompensieren, machen viele Mediziner zudem Abstriche bei der Qualität der Behandlung – was die Krankheitssymptome noch verschärft, da nicht nur die Patienten, sondern auch die Ärzte darunter leiden.

Die Ursache dafür liegt im Wesen des deutschen Gesundheitssystems. Krankenhäuser sind angehalten, kostendeckend zu arbeiten. Viele Einrichtungen spezialisieren sich deshalb auf besonders kostenintensive Behandlungsarten, weil die das meiste Geld bringen. Eine fatale Entwicklung, an deren Ende Ärzte und Patienten leiden. Die einen, weil sie mit der Arbeit überfordert und unzufrieden sind, die anderen, weil sie die Mängel am eigenen Leib zu spüren bekommen.

Die vom Marburger Bund geforderte Festlegung einer Personaluntergrenze, wie sie in der Pflege gerade eingeführt wurde, kann da nur der erste Schritt sein. Tatsächlich muss sich die Gesellschaft fragen, welche Gesundheitsversorgung sie sich für kranke Menschen wünscht: eine möglichst kostendeckende oder eine möglichst wirksame.

Die Kliniken bekommen die Folgen der Überbelastung im Gesundheitswesen längst selbst zu spüren. Immer mehr Ärzte gehen in Teilzeit oder verlassen gar die Einrichtungen, um in medizinnahen Berufen zu arbeiten. Statt diejenigen zu belohnen, die mit möglichst wenig Personal auskommen, müssen diejenigen Anerkennung erfahren, die Kranken am besten helfen.

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