Kommentar

Die Zustände auf Berlins U-Bahnhöfen sind untragbar

Berlin hat seine U-Bahnhöfe verkommen lassen, sagt Alexander Dinger.

Berlin. In Berliner U-Bahnhöfen kann man sehen, was passiert, wenn Probleme delegiert werden. Viele Innenstadt-Stationen sind regelrechte Drogen-Umschlagplätze geworden. Anwohner beschweren sich bei der Polizei, die verweist auf die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die in Richtung Politik zeigen.

Besonders schlimm ist es entlang der U-Bahnlinie U8. An den Brennpunktbahnhöfen Leinestraße, Boddinstraße und Schönleinstraße belagern Abhängige früh, mittags und abends die Sitzbänke. Kinder müssen zusehen, wie sich Menschen einen Schuss setzen oder Crack rauchen. Menschen, die in Prenzlauer Berg oder in Steglitz wohnen und mal in die Innenstadt müssen, sind regelmäßig schockiert, wie verwahrlost Bahnhöfe sein können.

Dabei ist die Lösung ganz einfach. Die Verkehrsbetriebe haben Hausrecht. Es gibt kein Recht darauf, seine harten Drogen öffentlich und vor den Augen aller anderen zu konsumieren. Auch nicht für Suchtkranke. Hier braucht es mehr gemeinsame Streifen von BVG und Polizei.

Der zweite Punkt betrifft die Dealer selbst. Beamte berichten, dass in den Bahnhöfen ein Ameisenhandel stattfindet. Das heißt, Dealer verkaufen Kleinstmengen an Abhängige. Nimmt die Polizei mal Händler fest, sind die spätestens am Abend wieder auf freiem Fuß, und das Katz-und-Maus-Spiel beginnt von vorn.

Auch dieses Problem kann man lösen. Einen ähnlichen Kreislauf beobachteten Ermittler beim Taschendiebstahl. Irgendwann luden sie Berliner Amtsrichter mal zur Nachhilfe auf die Wache ein und erklärten, dass dahinter Strukturen stecken. Seitdem stiegen Verurteilungsquoten, die Strafen wurden härter. Genau so etwas braucht es hier. Das sind Politik, BVG und Polizei den Bürgern, die den Nahverkehr regelmäßig nutzen, schuldig.

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