Kommentar

Dass Lederer über den Fall Knabe fällt, ist unwahrscheinlich

Auf einen Untersuchungsausschuss des Falls Knabe kann Berlin gut verzichten, meint Joachim Fahrun.

Morgenpost-Redakteur Joachim Fahrun

Morgenpost-Redakteur Joachim Fahrun

Foto: Maurizio Gambarini

Der Untersuchungsausschuss, so heißt es immer, sei das schärfste Schwert des Parlaments. Zeugen können vorgeladen und unter Eid gestellt werden. Behörden sind verpflichtet, Akten herauszugeben. Nun zücken die Fraktionen von CDU und FDP, sekundiert von der AfD, diese Waffe gegen den linken Kultursenator. Klaus Lederer, so der Argwohn der Opposition, habe beim Rauswurf des Leiters der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, nicht nur aus einem Schutzimpuls für Mitarbeiterinnen gehandelt.

Aber den gab es natürlich auch: Dass es dort unter Knabe und seinem Stellvertreter zu inakzeptablem Verhalten gegenüber Frauen kam, ist inzwischen unstrittig. Das hat das Arbeitsgericht bestätigt, auch ohne den Vorwürfen von sexueller Belästigung nachgegangen zu sein. Die Kündigung gegen den Stellvertreter hat juristisch Bestand. Knabe hat sich mit Lederer verglichen und auf eine Klage verzichtet.

Die Erkenntnisse des Untersuchungsausschusses werden übersichtlich sein. Herauskommen wird, dass die Kulturverwaltung auf die ersten Hilferufe von Mitarbeiterinnen aus Hohenschönhausen nicht angemessen reagiert hat. Dass Lederer und Knabe sich in gegenseitiger Abneigung zugetan waren und es in Lederers Interesse war, den bekennenden Anti-Kommunisten und Stasi-Gegner Knabe loszuwerden.

Dabei muss es gar nicht nur um politische Differenzen gehen, sondern auch um ein Zeichen, dass Knabe bei allen Verdiensten eben keine Dauerstellung in dieser wichtigen Einrichtung zur Aufarbeitung der DDR-Verbrechen beanspruchen konnte. So wird sich die Bewertung zwischen Opposition und Koalition unterscheiden. Aber vielleicht findet sich ja die eine, klar rechtswidrige Anweisung aus dem Senatorenbüro, die Lederer zu Fall bringt. Wahrscheinlich ist das nicht.

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