Kommentar

Lange Leitung für schnelles Netz in der U-Bahn

Der Plan der BVG für den Netzausbau ist gut. Er dauert aber zu lange, sagt Thomas Fülling.

Schnelles Internet in der U-Bahn ist überfällig, sagt Thomas Fülling.

Schnelles Internet in der U-Bahn ist überfällig, sagt Thomas Fülling.

Foto: dpa/Reto Klar

Es ist mehr als beschämend für Berlin: Wer durch die selbst ernannte „Digitale Hauptstadt“ mit der U-Bahn fährt, ist bislang oft vollständig von den weltweiten Datenströmen abgeschnitten. Funklöcher klaffen im Berliner Tunnelnetz größer auf als in der Uckermark. Touristen selbst aus Entwicklungsländern können über den schlechten Empfang oft nur staunend den Kopf schütteln.

Es war daher überfällig, dass die Berliner Verkehrsbetriebe als Betreiber des U-Bahnnetzes endlich einen Weg gefunden haben, um allen ihren Fahrgästen einen schnellen Internetzugang zu bieten. Lange haben sie mit den drei großen Mobilfunkanbietern verhandelt, von denen nun einer die technische Infrastruktur ausbaut und die anderen sich finanziell und mit Know-how daran beteiligen. Zunächst soll es nun auf vier Linien, der U2, U5, U7 und der U8, „Internet für alle“ geben, versprechen die Anbieter. Ein erster Praxistest am Dienstag auf der U8 bewies: Die Datengeschwindigkeit war hervorragend.

Noch zwei Jahre bis zum flächendeckenden LTE-Standard

Warum jetzt noch zwei weitere Jahre vergehen sollen, bis der moderne LTE-Standard im gesamten Berliner Untergrund verfügbar ist, bleibt unverständlich. Klar, gebaut werden kann nur, wenn die U-Bahn mal Pause macht. Und das ist in Berlin in der Tat nicht allzu oft der Fall. Doch zu hören ist auch von langen Planungsvorläufen und komplizierten Abstimmungen etwa mit dem Denkmalschutz. Daran hat die Berliner Politik ihren Anteil, die Bauwerke geradezu inflationär unter Schutz gestellt hat.

Mehr als 100 der 173 U-Bahnhöfe in der Stadt sind bereits Denkmale, weitere sollen folgen. Jeder bauliche Eingriff, dazu gehört nicht nur die Installation von Funkantennen, sondern auch der Einbau von Aufzügen und modernen Fahrgastinformationen, ist von zeitaufwendigen Genehmigungsverfahren mit viel Papier begleitet. Willkommen in der „Digitalen Hauptstadt“!