Kommentar

Berliner Radwege - erst denken, dann bunt anstreichen

Pannen mit Radwegen: Der grobe Unsinn hat in Berlin System, beobachtet Thomas Schubert.

Das löchrige Radwegenetz Berlins wächst um keinen Zentimeter, beobachtet Thomas Schubert.

Das löchrige Radwegenetz Berlins wächst um keinen Zentimeter, beobachtet Thomas Schubert.

Foto: Thomas Schubert/Reto Klar

Grün ist die Farbe der Hoffnung – und das offenbar ganz besonders bei der Planung von Radwegen in Berlin. Auf einer Strecke von 19 Kilometern haftet inzwischen grünes Harz. Es geschieht der Sicherheit von Radfahrern zuliebe, die man auf dem grell gefärbten Untergrund keinesfalls übersehen kann, versprechen der Senat und die Gesellschaft Infravelo. Das Problem: Das Harz haftet nur dann, wenn man es bei trockenem Wetter aufträgt oder nicht gleich wieder wegbaggert – so wie jetzt geschehen.

Ein frisch bemalter Radweg in Prenzlauer Berg machte gleich nach der Eröffnung mit Asphaltfräsen Bekanntschaft. Und zwei grüne Spuren in Halensee zerlaufen im derzeitigen Nieselregen. Außerdem scheinen viele der grünen Streifen, die erst in diesem Jahr markiert wurden, bereits wieder zu verblassen.

4,13 Millionen Euro für alle grünen Radwege in Berlin

Über solche Pannen könnte man ja lachen – wären da nicht die Projektkosten von 4,13 Millionen Euro für alle grünen Strecken in Berlin. Und wäre da nicht das Problem, dass bis auf diese Malerarbeiten in Sachen Sicherheit nichts Nennenswertes geschieht. Umso mehr ruht auf den grünen Wegen die Hoffnung, dass Berliner sie als Zeichen für die Verkehrswende akzeptieren.

Ihre Auffälligkeit wird nun, anders als von der Farbe Grün erhofft, zum Problem. Das unprofessionelle Anstreichen von Asphalt zeigt einmal mehr, dass in Berlin selbst einfache Maßnahmen an praktischem Unvermögen scheitern. Keinem Heimwerker fiele es ein, Zeit und Geld in einen Anstrich zu investieren, wenn der Wetterbericht Regen voraussagt. Und kein Berliner würde auf seinem Grund und Boden etwas bauen im Wissen, dass er es in einer Woche wieder zertrümmern muss. 4,13 Millionen Euro fließen offenbar in ein Vorhaben, bei dem die Bauaufsicht grundlegende Probleme nicht erkennt. Und das löchrige Radwegenetz Berlins wächst um keinen Zentimeter.