Kommentar

Bei den Flüchtlingscontainern spielt Geld wohl keine Rolle

Der Abriss der Containerdörfer für Flüchtlinge ist absurd, meint Joachim Fahrun. Kaum dass sie gebaut wurden, werden sie aufgegeben.

Die Tempohomes sind eine der irrsten Geschichten von Verschwendung öffentlicher Mittel der vergangenen Jahre, sagt Joachim Fahrun.

Die Tempohomes sind eine der irrsten Geschichten von Verschwendung öffentlicher Mittel der vergangenen Jahre, sagt Joachim Fahrun.

Foto: Reto Klar

Berlin. Damit keine Zweifel aufkommen: Ich bin dafür, geflüchtete Menschen ordentlich unterzubringen und zu betreuen. Aber was in Berlin mit den sogenannten Tempohomes passiert, ist eine der irrsten Geschichten von Verschwendung öffentlicher Mittel der vergangenen Jahre.

Erst baut Berlin Unterkünfte für mehr als 5000 geflüchtete Menschen in Containerdörfern für mehr als 90 Millionen Euro. Kaum dass sie bezogen sind, werden sie wieder abgebaut. Für rund 50 Millionen Euro, obwohl sie noch viele Jahre halten würden. Dabei ist nicht bekannt, dass sich mehr Bewohner über die Container-Häuser beschweren als über andere Gemeinschaftsunterkünfte. Eher das Gegenteil sei der Fall, berichten Betreiber.

Das Sonderbaurecht, nach dem viele dieser Tempohomes genehmigt wurden, gebe keine längere Nutzung her, heißt es zur Begründung. Aber über diese Vorgaben ließe sich womöglich verhandeln. Schließlich kann auch der Bund kein Interesse haben, Steuergeld sinnlos zum Fenster herauszuwerfen.

An einigen Standorten wie dem Tempelhofer Feld liegt es jedoch allein in der Hand des Landes, die Unterkünfte stehen zu lassen. Aber Flüchtlingsamt und Bezirke schicken Wohnungslose, ob mit oder ohne Fluchthintergrund, lieber in Pensionen oder Hostels, anstatt die enorm hohen Kosten pro Übernachtung in den kaum zwei Jahre genutzten Containern zu senken, indem sie länger belegt werden.

Gleichzeitig sehen wir, wie sich Flüchtlinge auf den griechischen Inseln vor kalten Winternächten im Freien fürchten. Vielleicht könnte der Berliner Senat wenigstens die teuer bezahlten Container nach Kos oder Lesbos schicken. Dann wären sie wenigstens noch zu etwas nutze, und Berlin müsste sie nicht verschrotten. Wie viel das kostet, ist zweitrangig. Geld spielt ja offensichtlich keine Rolle.