Kommentar

Grüne bauen Oberbaumbrücke um - eine ideologische Frechheit

Der Umbau macht Autofahrern das Leben schwer, ohne das von Radfahrern zu verbessern. Ideologie, meint Sebastian Geisler.

Die Oberbaumbrücke wurde umgestaltet

Die Oberbaumbrücke wurde umgestaltet

Foto: Patrick Goldstein; Maurizio Gambarini (Montage)

Berlin. Es ist sehr bemerkenswert, was passiert, wenn Berliner Grüne ihr Programm in politisches Tun umsetzen. Im grün regierten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wurde, flankiert von der grün gesteuerten Senatsverwaltung für Verkehr, die Oberbaumbrücke umgestaltet. Das sollte, war zu vernehmen, sicherere Radwege hervorbringen.

Das Ergebnis erstaunt: Beidseitig führen nun verbreiterte Radspuren über die Oberbaumbrücke zwischen Friedrichshain und Kreuzberg. Das klingt ja erst mal nicht schlecht. Doch wie kann es sein, dass diese Spuren nicht baulich von der Auto-Fahrbahn abgetrennt sind? Sie sind nicht einmal rot oder grün unterlegt, auch das verwundert. Sollte das nicht der neue Berliner Standard sein?

Zwei Autospuren fallen weg - Ist Stau-Chaos gewünscht?

Und warum fallen auf einer der wichtigsten Spree-Querungen nun zwei Autospuren weg? Ja, es soll Menschen geben, die morgens über diese Brücke zur Arbeit fahren. Mit dem Auto. Ist hier nun Verkehrschaos gewünscht?

Da kommen wir direkt zum Punkt: Diese neue Oberbaumbrücke ist das Produkt politischer Ideologie. Es geht nämlich offenkundig nicht darum, ein sinnvolles Auskommen unterschiedlicher Mobilitätsarten zu gewährleisten, es geht darum, Autofahrern das Leben schwer zu machen, während jenes der Radfahrer nicht mal besser wird.

Sinnlose Pufferzonen statt baulicher Abtrennung

Statt einer baulichen Abtrennung der Radspuren gibt es nun mit durchgezogenen weißen Linien markierte, 80 Zentimeter breite Streifen zwischen Auto- und Radspuren. Mein Sicherheitsgefühl als Radfahrer erhöht das nicht.

Absurderweise hat man nun auch noch in der Mitte zwischen den Autospuren eine Art Puffer mit durchgezogenen Linien abgetrennt. Für irgendetwas muss man all den Platz ja nutzen, wenn schon nicht für Verkehr. Was soll das?

Dass Grüne gern den Stadtbewohnern den Alltag erschweren, hat zum Beispiel Findlingsfan und Parkplatz-Hasser Florian Schmidt, über Bezirksgrenzen hinaus berüchtigter Baustadtrat, eindringlich bewiesen. Künstliche Staus aber sind weder für den Kiez noch für die Umwelt ein Gewinn.

XXL-SUV-Spuren, die Dodge-Ram-Fahrern Freudentränen in die Augen treiben

Die nunmehr einspurige Verkehrsführung je Richtung hat dafür geradezu amerikanische Dimensionen: Die absurd großzügigen Spuren von 4,45 Meter Breite treiben jedem Dodge-Ram-Fahrer Freudentränen ins Gesicht. Der steht hier nun im Stau, das aber auf herrlich breiter Fahrbahn. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet grüne Verkehrsplaner eine Art XXL-SUV-Spur nach Berlin bringen?

Deren Überbreite sorgt übrigens dafür, dass die Autos - in Ermangelung klarer Spurführung - stark versetzt fahren, und dabei Radfahrer auf den neuen Spuren gefährden. Das kommt dabei heraus, wenn Politikern Ideologie wichtiger ist als ein fairer Ausgleich von Interessen.

Um es ganz klar zu sagen: Diese neue Oberbaumbrücke ist eine ideologische Frechheit, die die Situation für Autofahrer drastisch verschlechtert und für Radfahrer keinen Gewinn darstellt.

Die Senatsverwaltung will erst mal abwarten

Aus der Senatverwaltung für Verkehr heißt es, man wolle mal abwarten, wie sich das Nebeneinander entwickele. Klingt für mich nach: Zwei, drei schwere Unfälle sollten schon sein als Erfahrungswert, ehe da wieder umgebaut wird. Tote hat es in dem Bereich in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben, häufig waren Lkw beteiligt. Die neue Verkehrsführung mindert diese Risiken nicht.

Ich fahre in Friedrichshain-Kreuzberg übrigens seit einigen Wochen nur noch Auto. Mein Fahrrad wurde mir an der Warschauer Straße geklaut.

Mehr zum Thema:

Oberbaumbrücke: So gefährlich sind die neuen Radwege