Kommentar

Poller auf Berlins Straßen sind keine Lösung

Poller sind der neue Liebling der Verkehrspolitiker. Doch rot-weiße Pfosten täuschen ein Konzept nur vor, meint Christian Latz.

Foto: Reto Klar

Ob Schutz von Fahrradwegen oder beruhigte Anwohnerstraßen: Die Politik in Berlin hat für die Lösung von Verkehrsfragen ein neues Lieblingsinstrument gefunden – den Poller. An immer mehr Straßen in der Hauptstadt kommen die Pfosten in verschiedenen Formen zum Einsatz. Auch wenn die rot-weißen Metallstangen kein Hingucker sind, aus Sicht von Politikern haben sie etwas Schönes: Sie sind wunderbar einfach einzusetzen. Wer Poller aufstellt, schafft schnell Lösungen und kann zeigen, dass er auf Probleme reagiert.

Und tatsächlich, Senat und Bezirke haben dafür zu sorgen, dass eine immer größere Zahl an Fahrradfahrern sicher durch den Stadtverkehr kommt. Genauso ist das Anliegen von Bewohnern berechtigt, ihre Kieze so weit wie möglich von Motorenlärm und Abgasen zu befreien.

Poller schaffen Fakten, sind aber kein wirkliches Konzept

Doch wer die Sperren aufstellt, gibt nur vor, eine Lösung gefunden zu haben. In Kreuzberg sieht man, dass die Anwohner sehr unterschiedlich reagieren. Denn es entsteht neuer Stau, oder der Verkehr sucht sich neue Wege. So sehr die Pfosten Fakten schaffen, ein wirkliches Konzept allein sind sie nie.

In Kopenhagen, Berlins Vorbild in Sachen Radverkehr, schaut man verstört auf Versuche, den Verkehr mit Pollern sicherer zu machen. In Dänemark sind Radwege durch ein unterschiedliches Höhenniveau von Fahrbahn und Fußweg getrennt, auch für Kreuzungen gibt es komplexe Lösungen, um Unfällen vorzubeugen. Das sind nachhaltige Ideen, jedoch viel aufwendiger, als Metallstangen im Boden zu verankern.

Hinzu kommt: Poller sehen niemals schön aus. Sie verschandeln den öffentlichen Raum. Dabei wendet die Politik einen Trick an: Häufig sind die Poller als Provisorien deklariert, aber dann halten sie ewig.

Lesen Sie auch:

Fünf Straßen in Mitte sollen mit Pollern abgesperrt werden