Kommentar

Berlin sollte Meisterprüflinge fördern wie Studenten

Hochschulabsolventen bekommen ihre Ausbildung fast kostenlos, Meister müssen selber zahlen. Das ist überholt, meint Isabell Jürgens.

Isabell Jürgens.

Isabell Jürgens.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Seit Jahren beklagen die Handwerkskammer und vor allem die betroffenen Handwerker, dass Hochschulabsolventen ihre Ausbildung nahezu kostenlos bekommen, während sie dagegen, um Meister zu werden, tief in die Tasche greifen müssen. Die Erklärung für diese Ungleichbehandlung ist so einfach wie unbefriedigend: Handwerksmeister ist keine Berufsausbildung, sondern Ergebnis eine berufliche Weiterbildung, deren Kosten die Betroffenen eben allein zu schultern haben.

So lange das so bleibt, ist es kein Wunder, dass sich immer mehr junge Menschen gegen den Meisterlehrgang entscheiden, der neben viel Geld auch noch viel Freizeit verschlingt, und stattdessen lieber studieren. Daran wird auch nichts ändern, dass die vor Jahren abgeschaffte Meisterpflicht nun für eine ganze Reihe von Berufen wieder eingeführt wurde.

Im Gegenteil: Das könnte den Handwerkermangel in Berlin sogar noch weiter verschärfen. Nach Auskunft der Handwerkskammern kosten günstigere Lehrgänge zum Meister, wie die der Fleischer und Friseure, aktuell um die 4000 Euro. Teurere, wie die zum Elektriker-Meister, die in Berlin besonders dringend gebraucht werden, kosten sogar rund 9000 Euro.

Brandenburg und andere zahlen einen "Meisterbonus"

Während sich Berlins Nachbarland Brandenburg sowie weitere elf Bundesländer dazu entschieden haben, die Prüflinge mit einem sogenannten Meisterbonus zu unterstützen, rührt sich in der Hauptstadt dagegen nichts. Dabei liegt es auch im Interesse der Stadt, Meisterprüfungen zu fördern. Denn Meister verdienen nicht nur durchschnittlich rund 500 Euro monatlich mehr als Gesellen und zahlen damit entsprechend höhere Steuern.

Sie haben mit ihrem Meisterabschluss vor allem auch die Voraussetzung dafür geschaffen, selbst einen Meisterbetrieb zu gründen, schaffen so Arbeitsplätze und beheben aktiv den Fachkräftemangel. Das sollte Berlin eine Unterstützung wert sein.