Kommentar

Der Sprache des Hasses folgen Taten

Wer voller Hass redet und im Netz Gewalt sät, ist auch verantwortlich für Gewalt, kommentiert Alexander Dinger.

Foto: Sergej Glanze

Den Worten folgen Taten. Auf diese einfache Formel kann man den Hass gegen Politiker zusammenfassen. Wer im Netz Hass sät, legt den Grundstein für Gewalt und ist in letzter Konsequenz mit verantwortlich für Taten wie dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke.

Dass wir alle auf unsere Sprache achten müssen, ist essenziell für ein friedliches Zusammenleben und den Diskurs. Das fängt im Alltag und ganz klein an. So ist Empörung ein scharfes Schwert. Wer es immer wieder schwingt, macht es stumpf. Und ist es stumpf, müssen noch drastischere Worte und noch krassere Vergleiche her, um noch Gehör zu finden im Grundrauschen der „sozialen“ Medien, in denen die einzige Währung, die zählt, die der Aufmerksamkeit ist.

Viele Politiker sind nicht unschuldig an der Entwicklung

Wer das nicht glaubt, kann sich im Netz Alltagsdebatten raussuchen. Da wird in den Kommentarspalten ein Falschparker oder ein rabiater Radfahrer schnell zur größten Katastrophe der Menschheitsgeschichte.

Es hat Auswirkungen auf unsere Debattenkultur, wenn es weniger Grautöne gibt. Wer mit den Ansichten einer jungen Grünen-Politikerin nicht klarkommt, wird dann schneller persönlich abwertend. Wer die Innenpolitik eines SPD-Politikers nicht mag, wirft dann auch schneller Farbbeutel. Und wer einen AfD-Politiker verachtet, greift ihn und seine Frau auch schneller im privaten Umfeld an. Das darf nicht sein.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass viele Politiker nicht unschuldig sind an dieser Entwicklung. Wer wie die AfD Unsagbares („Vogelschiss der Geschichte“) plötzlich sagbar macht, beschädigt den Diskurs und radikalisiert ihn. Und wer darauf mit Gegengewalt antwortet, macht mit bei diesem Spiel, bei dem es am Ende nur Verlierer geben wird.