Kommentar

Legt Berlins Sommerferien endlich wieder auf den Sommer!

Die Berliner Forderung, die Sommerferien zu verlegen, ist vollkommen richtig, meint Joachim Fahrun.

Joachim Fahrun

Joachim Fahrun

Foto: Reto Klar

Berlin. Schule ist wichtiger als Urlaub. Gute Lernbedingungen, zeitlich verteilte Klassenarbeiten und auch faire Vorbereitungszeiten für die Abiturprüfungen sollten Vorrang haben vor dem Interesse bayerischer Gasthofbetreiber oder schleswig-holsteinischer Ferienwohnungsvermieter an einer möglichst langen Ferien- und damit Hochsaison. Darum ist die Initiative der Länder Berlin und Hamburg richtig, die Sommerferien künftig in einem engeren Korridor starten zu lassen als bisher.

Es sollte nicht wieder passieren, dass wegen einer Ferientermin-Rotation ein Schuljahr mal eben einen Monat kürzer wird als das vorherige. Viele Berliner Eltern und vor allem Schülerinnen und Schüler denken mit Grausen an den vergangenen Mai, als Tests und Klassenarbeiten im Tagesrhythmus den Familienfrieden belasteten.

Natürlich ist es blöd für Familien und ihr Budget, wenn sie nur in einem Zeitraum von maximal acht Wochen zwischen Anfang Juli und Mitte September Urlaub machen können. Die Preise sind hoch, die Strände voll. Aber die Welt besteht ja nicht nur aus Familien mit schulpflichtigen Kindern. Auch Singles und Kleinkinder-Eltern können außerhalb der Kernzeit die Tourismusbranche retten. Und warum Bayern und Baden-Württemberger stets zur gleichen Zeit Ferien machen dürfen und zum Beispiel die Berliner nicht, erschließt sich schon lange nicht mehr.

Der deutsche Bildungsföderalismus sollte in der Lage sein, die Forderung zu erfüllen und den Zeitkorridor für den Schuljahreswechsel zu verkleinern.

Sommerferien sind fast keine Sommerferien mehr, wenn – wie in diesem Jahr in Berlin – Lehrer und Schüler den Hochsommer-Monat August in überhitzten Räumen schuften müssen. Und die Eltern übrigens auch, denn die meisten machen ja eher keinen Urlaub, wenn ihre Kinder in der Schule sind.