Kommentar

Mit der S-Bahn einfach am Stau vorbeifahren

Die S3-Expresszüge sind ein verkehrspolitischer Lichtblick und gerade für Berufspendler interessant, findet Thomas Fülling.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Lasst das Auto stehen, fahrt mehr Rad, Bus oder Bahn. Nicht erst seit den „Fridays for Future“-Protesten wird diese Forderung von Politikern inzwischen fast aller Parteien lautstark erhoben. Auch wenn gerade die Vertreter der rot-rot-grünen Regierungskoalition bei der propagierten Verkehrswende nicht gerade mit gutem Beispiel vorangehen – wir erinnern uns alle noch an die Dienstwagenparade beim Senatsbesuch in Marzahn –, sind viele Berliner doch längst dabei, auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umzusteigen.

So ist etwa die Zahl der Nutzer der Berliner S-Bahn seit 2012 um gut 21 Prozent gestiegen. 478 Millionen Fahrgäste hat die Bahntochter im Vorjahr in den rot-gelben Zügen befördert – und stößt dabei immer öfter an ihre Grenzen. Wer etwa im Berufsverkehr mit der S3 oder der S5 in die Stadt will, darf wahrlich nicht unter Berührungsängsten oder Platzangst leiden. Auch in der Ringbahn wird die Luft vielfach knapp. Dringend benötigte zusätzliche Züge kann die S-Bahn erst ab 2021 in Betrieb nehmen. Vor allem, weil die Regierungsparteien SPD und Linke sich einst bei der notwendigen Ausschreibung des Auftrags nicht einigen konnten.

Es ist daher ein Lichtblick, dass Verkehrsverbund und S-Bahn überlegen, wie die knappen Ressourcen optimal einzusetzen sind. Eine Idee ist die Express-S-Bahn, die ab Dezember zwischen Friedrichshagen und Ostbahnhof fahren wird. Ein Angebot, das gerade für Berufspendler interessant ist. Können sie doch auf zusätzliche Plätze und eine kürzere Fahrzeit hoffen.

Die alltäglichen kilometerlangen Staus auf der Frankfurter Allee oder der Straße An der Wuhlheide werden damit nicht gleich verschwinden, vielleicht aber etwa kürzer ausfallen. Weitere spürbare Angebotsverbesserungen im Nahverkehr müssen nun folgen: Nicht nur bei der S-Bahn, sondern auch bei der BVG und im Regionalverkehr. Dann klappt das in Berlin auch mit der Verkehrswende.