Temposünder

Nehmt den Rasern die Autos weg!

Hinter dem Steuer von PS-Boliden sitzen selten Profis. Das ist lebensgefährlich, meint Alexander Dinger.

Foto: Sergej Glanze

Raser sind ein Problem. Und dieses Problem wird größer. Das berichten Berliner Strafverfolger. Denn noch nie war es so einfach, an schnelle und völlig übermotorisierte Autos zu kommen. Hinter dem Steuer sitzen aber selten Profis, sondern häufig adrenalinesüchtige junge Männer, die mit ihren Wagen völlig überfordert sind. Das ist lebensgefährlich. Da hilft nur eins: Nehmt ihnen die Fahrzeuge weg und lasst sie laufen!

Seit der Verschärfung des Raser-Paragrafen vor zwei Jahren ist die Verfolgung von Rasern einfacher. Was früher nur eine Ordnungswidrigkeit war, ist jetzt eine Straftat. Mittlerweile landen auf den Tischen der Berliner Ankläger täglich neue Verfahren.

Verfolgung von Rasern: In einem Punkt ist der Staat machtlos

Zwar könne man heute viel effektiver gegen Raser vorgehen, heißt es, aber bei einem zentralen Punkt ist der Staat nach wie vor machtlos. In mehr als 900 Verfahren gelang es tatsächlich erst vier Mal, Autos einzuziehen.

Das hat viele Gründe. Der wichtigste: Die adrenalinsüchtigen PS-Protzer in ihren teuren Autos fahren häufig mit Wagen durch die Stadt, die ihnen gar nicht gehören. Das macht es wiederum für die Ermittler schwer, die Wagen einzuziehen.

Der Gesetzgeber muss an den Führerschein ran

Hier muss also der Gesetzgeber nochmal ran. Und zwar an den Führerschein. Es kann nicht sein, dass junge Männer mit wenig Erfahrung im Straßenverkehr Rennwagen durch die Großstadt lenken dürfen. Es müsste wie beim Motorrad auch eine Art Stufen-Führerschein geben. Das löst nicht alle Probleme, wäre aber ein Anfang. Ein zweiter Schritt wäre eine PS-Begrenzung.

Und da sind auch die Hersteller gefragt. Noch vor 20 Jahren galten Autos mit mehr als 100 PS als übermotorisiert. Heute sind 150 PS absoluter Standard. Das ist völlig sinnlos und braucht kein Mensch. Statt die Autos immer schneller und stärker zu machen, sollten Konzerne ihre Wagen besser ökologischer und sicherer machen.