Kommentar

Ohne Uniform zum Erfolg

Ordnungsamtsmitarbeiter dürfen jetzt in Zivil arbeiten. Das erhöht die Chancen, Müllsünder dingfest zu machen, meint Nina Kugler.

Bezirksreporterin Nina Kugler

Bezirksreporterin Nina Kugler

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Eine Uniform ist immer auch ein Zeichen von Staatsgewalt. Stehen beispielsweise Polizisten an einer Kreuzung, geht kaum jemand bei Rot über die Straße. Ist die Ecke aber unbewacht, laufen viele einfach los. Das Gleiche gilt auch fürs Ordnungsamt: Erkennen Müllsünder die Streife, werfen sie ihren Abfall nicht einfach weg. Aber Berlins Straßen sind trotzdem stellenweise regelrecht zugemüllt. „Müll-Hotspots“ werden jene Ecken genannt, von denen die Bezirke ganz genau wissen, dass hier besonders oft Müll illegal abgeladen wird. Aber Herr der Lage werden sie trotzdem nicht.

Ein Beispiel gefällig? Vor rund zwei Wochen wurde in Neukölln ein „Müll-Hotspot“ aufwendig gesäubert. Insgesamt wurden hier 18 Kubikmeter Unrat fortgeschafft. Rund 14 Tage später ist der „Müll-Hotspot“ aber schon wieder zugemüllt. Teuer war das Ganze trotzdem: 3000 Euro hat die Säuberung durch die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) gekostet. Gezahlt durch Steuergelder. Übrigens: Knapp 10.000 Kubikmeter illegalen Mülls schafft die BSR jährlich allein in Neukölln fort.

Die Bezirke bemühen sich redlich, mit unterschiedlichen Aktionen ihre Straßen sauber zu halten. Doch zum Erfolg hat bislang nichts so recht führen wollen.

Umso besser und wichtiger, dass der Ruf aus Neukölln jetzt auf Landesebene erhört wurde, Mitarbeiter der Ordnungsämter in Zivilkleidung arbeiten zu lassen. So viele Menschen werfen ungeniert ihre Kippe auf den Boden oder heben den Kot ihres Hundes nicht auf – oder nur dann, wenn sie die Ordnungsamtsmitarbeiter in ihren Uniformen auf der Straße erkennen. Patrouillieren die Streifen des Ordnungsamts nun aber in Zivil, haben sie eine echte Chance, Müllsünder dingfest zu machen – und Berlin sauberer.