Kommentar

Urteil im Rocker-Prozess: Der Rechtsstaat zeigt die Zähne

Warum das Berliner Urteil gegen die Rocker der Hells Angels ein Meilenstein ist, sagt Ulrich Kraetzer.

Foto: Reto Klar

Berlin. Die Staatsanwaltschaft war ein hohes Risiko eingegangen – und der Mut zahlte sich aus: In dem Verfahren um einen Auftragsmord im Rockermilieu wollten die Ankläger die Mitglieder der „Hells Angels“ von Beginn an wegen Mordes hinter Gitter bringen. Eine Verurteilung schien nicht sicher. Doch die Staatsanwälte blieben bei ihrer Linie. Mit Erfolg: Am Dienstag verurteilte das Gericht acht der Rocker zu einer lebenslangen Haftstrafe. Der Richter bezeichnete die Männer, die im Juli 2014 einen Anhänger der verfeindeten „Bandidos“ mit sechs Kugeln erschossen hatten, als „mörderisches Überfallkommando“.

Im Kampf gegen die Rocker-Kriminalität ist das Urteil ein Meilenstein. Hat es Bestand, verschwindet die Führungsriege eines ganzen „Chapters“ der „Höllenrocker“ viele Jahre hinter Gittern. Besonders wichtig: Mit Kadir P. wurde auch der Chef verurteilt. Er war bei dem Mord zwar nicht dabei. Nach Überzeugung des Gerichtes gab er aber den Auftrag. Endlich hat es also auch nicht nur die Laufburschen, sondern auch einen der Hintermänner getroffen.

Rockergangs lebten von ihrem Nimbus der Unantastbarkeit. Dieser Nimbus ist dahin. Dank verschärfter Gesetze dürfen Rocker krimineller Gangs ihre Kutten nicht mehr tragen. Dank einer angepassten Polizeistrategie wissen sie aber, dass die Sicherheitsbehörden sie im Blick haben und auch kleinere Vergehen geahndet werden. Nun müssen auch noch ihre Chefs ins Gefängnis.

Der Rechtsstaat ist also nicht wehrlos. Er kann die Zähne zeigen – und er kann Erfolg haben. Das macht Mut, auch für den Kampf gegen die kriminellen Mitglieder arabischer Clans und für den Kampf gegen die gesamte organisierte Kriminalität. Nun ist der Bundesgerichtshof gefordert. Er muss prüfen, ob bei dem Mammutprozess auch die Spielregeln der Strafprozessordnung eingehalten wurden.