Kommentar

Ekelhafte Vereinnahmung einer Bewegung durch Linksmilitante

Linksmilitante zündeln bei der S-Bahn und und schmeißen sich an Klimaaktivisten heran. Das ist nur widerlich, meint Ulrich Kraetzer.

Foto: Davids/Reto Klar/BM Montage

Berlin. Die Demokratie und die öffentliche Ordnung stehen wieder unter Beschuss. Diesmal sind es keine Neonazis, die Autos von politisch Andersdenkenden anzünden. Keine Islamisten, die Ungläubige töten wollen. Nein, diesmal kommt der Angriff von ganz linksaußen. Wieder einmal. Noch unbekannte Täter steckten zwischen den Bahnhöfen Ostkreuz und Erkner Kabelkanäle von Bahnstrecken in Brand. Die Folge: Tausende Berliner strandeten an Haltestellen des von der Bahn, wie so oft, nur ungenügend organisierten Ersatzverkehrs.

Der neuerliche Anschlag ist durch nichts zu rechtfertigen, darüber darf es keine zwei Meinungen geben. Dennoch muss man über das im Internet verbreitete Bekennerschreiben einige Worte verlieren. Denn die Linksmilitanten schmeißen sich dabei an die Klima-Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung heran in einer Weise, die ekelhaft ist.

Man muss Fridays for Future nicht mögen, man kann einen überzogenen Hype kritisieren, eine solche Haltung ist Teil der pluralistischen Demokratie. Aber eines muss klar sein: Von linksmilitanten Revolutionären vereinnahmt zu werden – das haben die vielen tausend Menschen, die sich um die Zukunft des Planeten sorgen, nicht verdient.

Niemand sollte dem Irrtum erliegen, die echten Klima-Aktivisten mit den selbst ernannten aus dem linksextremistischen Milieu in einen Topf zu werfen. Denn die Unterschiede zwischen beiden Gruppen sind so groß wie die Eisberge der Arktis im schlimmsten Fall bald klein sind: Fridays for Future setzt auf friedliche und demokratische Mittel, auf das Recht zum Protest, allenfalls auf zivilen Ungehorsam. Die Linksmilitanten nehmen zig Tausende Berliner zur Geisel, setzten auf Gewalt und eine „revolutionäre Veränderung“. Schande über sie für ihre Militanz. Schande für ihren Versuch, Fridays for Future zu vereinnahmen.