Kommentar

Berlin ist die Hauptstadt der Digitalisierung

Berlin-Bashing ist beim Thema Digitalisierung nicht angebracht. Das zeigt die Teststrecke zum autonomen Fahren, meint Jens Anker.

Jens Anker

Jens Anker

Foto: Reto Klar

Wenn selbst der aus Bayern stammende Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vom üblichen Berlin-Bashing absieht und eine Lobeshymne auf die Hauptstadt anstimmt, dann muss wirklich etwas Wichtiges passiert sein: An der Straße des 17. Juni wurde die weltweit erste Teststrecke für automatisiertes Fahren und vernetzten Verkehr eröffnet. Für Scheuer ist das ein bahnbrechendes Projekt, das er sich mit einer Fahrt im autonomen Fahrzeug ganz aus der Nähe ansieht.

Viele haben es lange nicht geglaubt, aber die Zukunft nimmt in Berlin so langsam sichtbare Formen an. 100 neue Professuren für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, eine Milliarden-Förderung für die Wissenschaftslandschaft und Hunderte neue Unternehmen, die sich mit den Zukunftstechnologien beschäftigen, machen Berlin zu einem Zentrum für die Digitalisierung.

Dass Scheuer sich dabei das Berliner Projekt genauer ansieht, hat seine Gründe. Denn die – vor allem auch in Bayern – beheimatete Automobilwirtschaft ist in den vergangenen Jahren in die Defensive geraten. Weil sie zu lange an den bewährten Verbrennungs- und Dieselmotoren festgehalten hat, sind die USA und China vorgeprescht. Diesen Rückstand muss Deutschland schnell aufholen, um nicht weiter den Anschluss zu verpassen.

Die neu eröffnete Teststrecke an der Straße des 17. Juni könnte dabei helfen, denn hier forschen Dutzende Wissenschaftler über das autonome Fahren unter echten und komplexen Bedingungen. Gelingt es hier, das autonome Fahren zu etablieren, dann kann das weltweit Aufsehen erregen. Bislang finden derartige Experimente vor allem auf abgesperrten Strecken statt. Das Berliner Projekt ist ein weiteres Puzzleteil, um die Wissenschaftslandschaft der Stadt international zu etablieren. Berlin ist da auf dem richtigen Weg.