Meinung

Ich fordere: Berliner Ehrenbürgerwürde für Drogendealer!

In Kreuzberg will man ein Fußballturnier mit Drogendealern im Görlitzer Park veranstalten. Sebastian Geisler hat noch einen Vorschlag.

Unser Autor würde den Dealern einfach direkt die Ehrenbürgerwürde verleihen

Unser Autor würde den Dealern einfach direkt die Ehrenbürgerwürde verleihen

Foto: dpa/Paul Zinken; Maurizio Gambarini (Montage)

Berlin. Wenn Realität und Satire voneinander nicht mehr zu unterscheiden sind, dann ist irgendwas aus den Fugen geraten. Das gilt zum Beispiel für Aussagen des US-Präsidenten Donald Trump. Vielleicht sollten wir Berliner uns mit Kritik an ihm etwas zurückhalten, denn vor unserer Haustür läuft eine Satirenummer, die abzustellen die Verantwortlichen offenkundig weder imstande noch willens sind: der Görlitzer Park.

Dort werden messerbewehrte Drogendealer als „Parknutzer*innen“ verhätschelt, die man „nicht ausgrenzen“ und in den Park zu „integrieren“ wünscht. Für Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) gehören einem „Kontraste“-Bericht zufolge die Dealer, Verzeihung, Dealer*innen (da sind ja schon auch viele Frauen und Transpersonen dabei, die sollte man „sichtbar machen“) zum Park dazu, das wollten die Anwohner. Anderentags sagte sie der „Welt“ auf die Frage, ob sie bei Dunkelheit noch in den Görlitzer Park gehe, sie betrete Berliner Parks gar nicht mehr, das sei ihr „als Frau zu gefährlich“. Immerhin: Der Zustand im Park sei „nicht tragbar“. So weit, so dialektisch.

Ein Radweg ins Nichts wird zugeparkt? Da kommt Frau Herrmann persönlich

Aber was soll sie auch ändern? Als höchste politische Amtsträgerin im Bezirk hat sie weiß Gott Wichtigeres zu tun: Wenn auf der ins Nichts führenden Tamara-Danz-Straße Autofahrer einen fast unbenutzten Radweg zuparken, greifen die Bezirksverantwortlichen durch. Und das so konsequent, dass man die Bushaltestelle gleich mit weggepollert hat. Der Freigabe dieses Schildbürgerstreichs wohnte Frau Herrmann mit Baustadtrat Florian Schmidt (ebenfalls Grüne) persönlich bei, da ging es ein bisschen auch ums Prinzip, war zu lesen. Untätigkeit kann man ihr also nicht vorwerfen.

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Fußballturnier für Drogendealer - eine Nachricht wie ein Postillon-Stück

Der jüngste nachrichtliche Text, den ich über den Görlitzer Park schrieb, las sich am Ende wie ein „Postillon“-Artikel. Darauf bin ich ein bisschen stolz, es ist die pure Nüchternheit, aus der das Stück seine Kraft zieht. Es geht nämlich darum, dass der von Kreuzbergern gewählte sogenannte „Parkrat“, der angeblich die Interessen der Anwohner vertritt, nun ein Fußballturnier organisieren will für „Menschen aus anderen Ländern, die sich viel im Park aufhalten“. Die Mannschaften heißen teilweise nach afrikanischen Staaten. Skandinavische Länder standen bei der Namensgebung nicht Pate.

Dealerturnier mit fröhlichem Ausklang im Familienzentrum

Fußballturnier mit Drogendealern, mit festlichem Ausklang im Familien- und Nachbarschaftszentrum? Das steht den vorangegangenen Realsatirenummern rund um den Görli in nichts nach. Mein Favorit war bisher der Vorstoß eines „Parkmanagers“, Standplätze für Dealer auf den Boden zu sprühen. Ordnung muss sein. Auch die Ausstellung über Görli-Dealer, die "vor dem Hintergrund vielfältiger Widerstände" "unerschrocken und tapfer im öffentlichen Raum arbeiten", ist mir in Erinnerung.

Was kommt als nächstes? Vielleicht möchte man in Kreuzberg Straßen, die nach alten weißen Männern heißen, nach Görli-Dealern umbenennen? Dass man dafür von der bezirkseigenen Regel abweicht, Straßen nur noch Frauennamen zu geben, würde ich den Verantwortlichen sofort zutrauen. Es wäre schade, wenn ich mit meiner Idee von der Realsatire überholt würde, daher bringe ich sie direkt an dieser Stelle: Seid endlich konsequent und verleiht den Görli-Dealern die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin. Ihr wollt es doch auch.

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