Kommentar

Berliner Schüler sollen besser lesen und rechnen lernen

Auf die Schüler soll möglichst individuell eingegangen werden. Doch dass das passiert, ist eher unwahrscheinlich, meint Jens Anker.

Jens Anker

Jens Anker

Foto: Reto Klar

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) startet einen neuen Versuch, die Qualität in den Berliner Kitas und Schulen zu verbessern. Dazu hat eine Qualitätskommission am Mittwoch ihre Arbeit aufgenommen. Es ist nicht bekannt, der wievielte Versuch es ist, das regelmäßig schlechte Abschneiden der Berliner Schüler in bundesweiten und internationalen Tests zu beenden.

Hoffnung macht dabei, dass das Gremium ausschließlich mit Bildungsexperten außerhalb des politischen Raumes besetzt ist. Dass die Kommission allerdings zu überraschenden Erkenntnissen kommen wird, ist kaum zu erwarten. Denn genau so lange, wie die Qualität an den Schulen diskutiert wird, liegen bereits wesentliche Lösungsvorschläge auf dem Tisch: Es gilt, die Defizite von Schülern früh zu erkennen und möglichst individuell zu beseitigen.

Doch an der Umsetzung mangelt es. Das liegt einerseits am Geld und andererseits an der besonderen Situation Berlins. So wünschenswert es wäre, Schüler möglichst individuell zu betreuen, so unwahrscheinlich ist es, dass das in einem öffentlichen Schulsystem umgesetzt werden kann. Die Bildungsverwaltung ist schon jetzt kaum in der Lage, ausreichend Lehrer zu finden, um den bisherigen Stand zu halten.

Problematisch ist zudem die Sozialstruktur in der Stadt. Zwar ist der Anteil der Spitzenschüler im Vergleich zu anderen Bundesländern genauso hoch, wie die Pisa-Studien zeigen, auch die Gruppe der durchschnittlichen Schüler ist vergleichbar – allein der Anteil an Schülern mit Defiziten ist höher.

Es steht zu befürchten, dass die Kommission am Ende viele kluge Hinweise für eine Qualitätsverbesserung geben wird, sie aber, wie alle guten Ratschläge der Vergangenheit, im Berliner Schulalltag nicht ankommen werden. Das wäre bedauerlich.