Kommentar

Das Taxi wird zum Auslaufmodell

Die Taxi-Fahrpreise werden erhöht - doch an der schwierigen wirtschaftlichen Lage wird das wenig ändern, meint Thomas Fülling.

Thomas Fülling

Thomas Fülling

Foto: BM

Ohne Taxis kann man sich Berlin eigentlich nicht vorstellen. Wer etwa nach einer langen Reise am Flughafen Tegel ankommt, kann sich darauf verlassen, dass die beigefarbenen Fahrzeuge dort in langer Reihe auf Kundschaft warten. Und wer noch etwas Geld in der Urlaubskasse übrig hat, der verzichtet dann gern auf das Gedrängel im überfüllten TXL-Bus und steigt für die Heimfahrt in ein Taxi ein.

Ein Vergnügen, auf das man vielleicht bald verzichten muss. Denn der Branche geht es schlecht. Sie leidet unter stetig steigenden Kosten etwa für Versicherungen und Werkstattleistungen. Auch der Mindestlohn, der den Taxifahrern einen fairen Verdienst sichern soll, schlägt auf die Bilanz der oft kleinen Unternehmen hart durch.

An deren schwierigen wirtschaftlichen Lage werden auch die neuen Taxitarife nichts ändern, die der Senat nach fast eineinhalb Jahren Prüfung jetzt beschlossen hat. Danach werden die Fahrpreise um knapp elf Prozent steigen.

Während die meisten Geschäftsreisenden damit gut klar kommen, weil die Tarife in Berlin noch immer günstiger sind als in vielen anderen Großstädten in Europa, dürften sich viele Berliner nun noch intensiver nach Alternativen umsehen.

Davon gibt es inzwischen immer mehr. Inzwischen stehen nicht nur private Chauffeurdienste wie Uber mit ihren Limousinen bereit, auch immer mehr Carsharing-Unternehmen drängen auf den lukrativen Mobilitätsmarkt. Gerade erst hat der VW-Konzern angekündigt, mit 1500 E-Golfs nach Berlin zu kommen. Auch der BerlKönig, das Rufangebot der landeseigenen BVG, jagt den Taxifahrern traditionelle Kundschaft ab.

Sollen Taxis nicht ganz aus der Stadt verschwinden, wird der Senat mehr tun müssen, als alle paar Jahre die Tarife zu erhöhen. Dringend notwendig ist etwa ein praktikables Verfahren für den neuen Hauptstadtflughafen BER. Der Senat verhandelt dazu bereits seit vielen Jahren mit dem brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald. Bisher allerdings ohne Ergebnis.