Kommentar

Kopftuch, Kippa und Kreuz haben an Schulen nichts zu suchen

Das Neutralitätsgesetz untersagt Pädagogen das Tragen von religiösen Symbolen. Das ist richtig, findet Joachim Fahrun.

Foto: dpa/BM

Berlin. Menschen wegen eines Stücks Stoff auf dem Kopf den Zugang zu einem gerade bei jungen Frauen beliebten Beruf zu verwehren, ist ein erheblicher Eingriff in ihre persönliche Freiheit. Das sollte man stets bedenken, wer über das Verbot religiöser Symbole für Lehrkräfte an Berlins Schulen diskutiert.

Es dürfte im Einzelfall ziemlich schwierig werden, einer Pädagogin mit Kopftuch nachzuweisen, dass sie eine persönliche Mitverantwortung trägt, wenn selbsternannte Sitten- und Tugendwächter muslimische Mädchen ohne Kopftuch drangsalieren oder Mitschülern das Salamibrot als „unrein“ untersagen wollen.

Dennoch ist es richtig, religiöse Symbole aus Berliner Schulen herauszuhalten. Wer sich mit einem Kopftuch als fromme Muslima bekennt, wird zweifelnden Mädchen im Konfliktfall nicht unvoreingenommen gegenübertreten können. Die Regelung muss aber nicht nur für das Kopftuch, sondern auch für Kreuz und Kippa gelten. Berlins Neutralitätsgesetz macht da – anders als die Gesetze in anderen Ländern – zurecht keinen Unterschied.

Alle Bekenntnisse werden gleich behandelt - das ist richtig so

Das ist seine Stärke in der politischen Auseinandersetzung ebenso wie in der juristischen Bewertung. Alle Bekenntnisse werden gleich behandelt. Das muss in einer vom Staat kontrollierten Einrichtung auch so sein. Wer eine religiös geprägte Erziehung möchte, kann seine Kinder auf eine christliche, jüdische oder auch muslimische Privatschule schicken.

Eine Schwäche hat die Argumentation der Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) aber doch. Trotz zahlreicher Berichte über Konflikte im schulischen Alltag mangelt es an belastbaren Daten, die das Phänomen des Drucks auf muslimische Mädchen darlegen. Hier muss Scheeres nacharbeiten. Überdies sollte sie Strategien entwickeln, wie gegen diesen Missstand jenseits des Verbots von Kopftuch & Co vorgegangen werden kann.