Kommentar

Pflegecampus von Charité und Vivantes ist ein Quantensprung

Für Spandau ist das Projekt ein Meilenstein und eine Bereicherung. Und für Berlin als Gesundheitsstadt bedeutend, meint Joachim Fahrun.

Joachim Fahrun.

Joachim Fahrun.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Es wird höchste Zeit: Der Personalnotstand in der Pflege von alten und kranken Menschen ist zwar noch nicht überall da, aber er wird kommen. Wenn nicht ganz schnell etwas geschieht. Insofern ist es richtig, dass Berlins landeseigene Krankenhaus-Giganten Charité und Vivantes nun bei der Ausbildung von Nachwuchskräften gemeinsame Sache machen wollen. Dabei muss geklotzt werden, aber mit Hirn. Platz für 3000 Azubis in Pflege- und andere Gesundheitsberufen auf einem gemeinsamen Campus in Spandau zu schaffen, ist ein gewaltiger Schritt.

Man kann nur hoffen, dass sich das Vorhaben nicht noch im Gewirr der Immobilien- und Finanzierungsdetails verheddert. Es muss attraktiver werden, sich für einen Gesundheitsberuf zu entscheiden. Inzwischen gibt es Geld für die Ausbildung, das Schulgeld wird abgeschafft. Auch moderne, attraktive Schulungsräume können Interessenten anziehen. Und nicht zuletzt werden Wohnheime für die auch finanziell nicht auf Rosen gebetteten angehenden Pflegekräfte ein Argument sein, diese gesellschaftlich hoch erwünschte Berufswahl zu treffen.

Für die Charité und Vivantes bedeutet der gemeinsame Ausbildungscampus einen Quantensprung bei ihrer politisch verordneten Zusammenarbeit. Inhaltlich muss womöglich noch ein wenig am Profil geschärft werden, weil auch an diversen Management- und Lotsenfunktionen im Gesundheitswesen ein echter Mangel herrscht, der absehbar noch stärker werden soll. Aber noch haben die Experten ein paar Jahre Zeit, ehe der Lehrbetrieb wirklich starten kann.

Für Spandau ist das Projekt ebenfalls ein Meilenstein und eine Bereicherung. Der westliche Außenbezirk, der nicht immer im Fokus der Landespolitik steht, leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsstadt Berlin.