Kommentar

Warum diese Wahl in Brandenburg besonders schwerfällt

Die Parteien in Brandenburg sind weit weg von der Realität, meint Uta Keseling. Wen soll man da bloß wählen?

Uta Keseling fällt diese Wahl in Brandenburg schwer

Uta Keseling fällt diese Wahl in Brandenburg schwer

Foto: Patrick Pleul/dpa; Reto Klar (Montage)

Berlin. Ehrlich gesagt: Wo ich am kommenden Sonntag mein Kreuz machen werde, weiß ich noch nicht. Ja, es sind Wahlen in Brandenburg – aber nie war es so schwer, sich zu entscheiden. Nicht nur, weil die Politik auf dem Land ohnehin oft als etwas wahrgenommen wird, das eher im Fernsehen spielt als in der Realität. Sondern weil es diesmal tatsächlich um etwas sehr Reales geht – die Frage zu Beispiel, ob Berlins Nachbar-Bundesland demnächst von der AfD mitregiert wird. Oder was, andererseits, eine Koalition politisch erreichen kann, die sich ausschließlich zusammentut, um das zu verhindern.

Wen soll man da wählen? Alle Parteien scheinen von der Realität gleich weit entfernt. Da ist ein Ministerpräsident, der seit seinen kraftvollen Auftritten noch als Innenminister während des Hochwassers 2013 blass geblieben ist. Der eben kein „Landesvater“ oder -mutter wurde wie Manfred Stolpe, Regine Hildebrandt oder Matthias Platzeck. Da ist eine grüne Partei, die ihre Wahlkampagne in Gaga-Sprache formuliert – „Hallo Grunz, tschüss Quälerei“. Und die dabei vergisst, dass für Bewohner eines Agrarlandes wie Brandenburg Ökologie und Klimaschutz gelebter Alltag sind und kein Bullerbü-Traum wie in Berlin. Die CDU ist derzeit mit einer „Landei“-Kampagne und der Stimme (Achtung: Doppelsinn!) von Bruce Willis unterwegs. Deren Spitzenkandidat forderte gerade einen Abriss für den Flughafen BER, sollte dieser nicht wie geplant 2020 eröffnen. Das ist weit weg von den Realitäten seines Bundeslandes, das ja rund um Schönefeld schon jetzt vom BER profitiert. Ach ja, und die Linke? Auf deren Wahlplakaten ist das Wort „Ost“ ähnlich groß geschrieben wie bei der AfD. Eine Zeitreise zurück in die DDR – weiter weg kann man wohl kaum sein von der Wirklichkeit. Wie gesagt, es ist schwierig mit der Wahl dieses Mal.