Kommentar

Berlins Spielplätze sind keine Orte für Trinker und Dealer

Thomas Fülling erklärt, warum in Berlin nicht nur der Mangel an Spielplätzen ein Problem ist.

Thomas Fülling

Thomas Fülling

Foto: Reto Klar

Berlin wächst. Nicht nur durch Zuzüge, es kommen hier auch wieder mehr Kinder zur Welt. Diese erfreuliche Entwicklung sorgt aber auch für enorme Herausforderungen an die viele Jahre lang auf einen rigiden Sparkurs getrimmte Stadt. Und so mangelt es derzeit fast überall nicht nur an Kita- und Schulplätzen, sondern – wenig überraschend – auch an Spielplätzen. Nicht ein Bezirk kann die Zielvorgabe des Berliner Senats von mindestens einem Quadratmeter Spielplatzfläche pro Einwohner auch nur annähernd erfüllen. Angesichts knapper werdender öffentlicher Flächen gerade in der dicht bebauten Innenstadt dürfte sich an diesem Stand auf absehbare Zeit leider kaum etwas ändern.

Doch oft größer als der Unmut über fehlende Spielplätze ist bei Eltern und Großeltern der Zorn über den Zustand bestehender Angebote. Dank meiner kleinen Enkelin bin ich inzwischen selbst öfter Besucher von Spielplätzen in Schöneberg und Wilmersdorf. Und jedes Mal zutiefst erschrocken darüber, dass mir die Eltern mit auf den Weg geben, doch bitte besonders auf Drogenspritzen im Sand zu achten. Über Glasscherben und Zigarettenkippen regt sich kaum ein Besucher noch ernsthaft auf. Es ist nicht zu übersehen, viele Spielplätze werden mit Einbruch der Dunkelheit zum Treffpunkt von Menschen, denen kleine Kinder völlig egal sind. Es wird geraucht, gesoffen, randaliert und gedealt. Strafen müssen die Vandalen kaum befürchten, denn Kontrollen finden zu später Stunde nicht statt.

Eine Vereinbarung des Senats mit dem Gesamtpersonalrat ermöglicht es, dass Ordnungsamtsmitarbeiter nun bis Mitternacht eingesetzt werden können. Bleibt zu hoffen, dass diese Möglichkeit nicht allein fürs Knöllchenschreiben genutzt wird. Bis schärfere Kontrollen Wirkung zeigen, heißt es, sichtbar mehr für die Reinigung der Spielplätze zu tun. Die Kinder werden es danken.