Kommentar

Verkehrswende in Berlin? Nichts als leere Worthülsen

Der Senat verfehlt die Ziele der eigenen Verkehrspolitik, meint Martin Nejezchleba. Das zeigt auch ein absurder Fall aus Spandau.

Ein Jahr nach Einführung des hochgelobten Mobilitätsgesetzes ist wenig umgesetzt.

Ein Jahr nach Einführung des hochgelobten Mobilitätsgesetzes ist wenig umgesetzt.

Foto: dpa/Sergej Glanze

Berlin. Nüchterne Zahlen sagen mehr als zukunftstriefende Worte. Die hier etwa: 1200 Meter Radweg in 400 Werktagen. So lange soll laut einer Ausschreibung der Senatsverwaltung für Verkehr auf der Heerstraße gebaut werden. Ja, das ist genau jenes Ressort, dessen Senatorin Regine Günther (Grüne) in „wenigen Jahren“ den Verbrennungsmotor aus Berlin verbannen, die Mobilität umkrempeln will, samt Vision Zero, E-Mobility, City-Maut. Alles schöne Wortgebilde. Oder genauer: Worthülsen. Leere.

An der Zurückdrängung des Autos aus der Stadt gibt es viel Kritik. Auch hier helfen Zahlen, um die Realität hinter den Emotionen zu erkennen. Zwei Beispiele von vielen: 1,3 Personen sitzen durchschnittlich in einem fahrenden Auto. 7100 Kilometer lang wäre die Schlange, wenn man alle Berliner Autos aneinanderreiht – sie würde in etwa vom Brandenburger Tor bis zum Platz des Himmlischen Friedens in Peking reichen. Kurz: der blanke Irrsinn. Der rot-rot-grüne Senat will ihn beenden.

Hintergrund: Heerstraße: Berlin braucht 400 Tage für 1200 Meter Radweg

Nur scheint er an den eigenen Zielen zu scheitern. Klar: Drei Meter Radweg pro Tag, das ist ein Extrembeispiel, gebaut wird auf einer Bundesstraße, wichtig für den Pendlerverkehr. Mag kompliziert sein. Andererseits: Hier ist die Senatsverwaltung selbst zuständig, kann keine Schuld auf träge Bezirke abwälzen. Das Beispiel Heerstraße bietet einen unverstellten Blick auf die monströse Bürokratie, die schleppende Umsetzung in der Verkehrswende.

Ein Jahr nach Einführung des hochgelobten Mobilitätsgesetzes ist wenig umgesetzt. Es ist noch nicht einmal gelungen, zu katalogisieren, wie desolat der Zustand der Radwege ist. Übrigens: Auf der Heerstraße sollte schon vor knapp einem Jahr gebaut werden. Jetzt könnte noch einmal neu ausgeschrieben werden. Und ein paare Jahr später soll ein komplett neuer Radschnellweg gebaut werden.