Verkehrswende

Viele Berliner können noch nicht auf das Auto verzichten

Die Verkehrswende ist ein Zankapfel. Wenn die Berliner umsteigen sollen, braucht es bessere Angebot in den Außenbezirken, meint Katharina Uhl.

Katharina Uhl, Redakteurin Berliner Morgenpost

Katharina Uhl, Redakteurin Berliner Morgenpost

Foto: Reto Klar

Berlin. Seit Jahren wird in Berlin über das Thema Verkehrswende geredet, gestritten. Vorrang für Busse, Bahnen, Straßenbahnen - und vor allem Fahrradfahrer. Und was passiert? Die Berliner kaufen wieder mehr Autos, das zumindest offenbaren die Zulassungszahlen.

Das muss den Verantwortlichen in der rot-rot-grünen Koalition bitter aufstoßen, sind sie es doch, die sich die Verkehrswende auf die Fahnen geschrieben haben. Natürlich geht der Klimaschutz uns alle an. Doch ihre Politik verfängt nicht, viele Berliner sind eben nicht davon überzeugt, dass es in der aktuellen Situation besser ist, auf das Auto zu verzichten. Dabei spielt bei ihnen gar nicht mal so sehr fehlendes Umweltbewusstsein eine Rolle, sondern der Mangel an wirklichen Mobilitäts-Alternativen.

In den Innenstadtbezirken mag es noch angehen, auf Fahrrad, Bus und Bahn umzusteigen. Dort ist das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel eng gestrickt – und damit häufig attraktiver als das eigene Auto. Und abends sind in aller Regel auch noch so viele Menschen unterwegs, dass niemand Gefahr läuft, alleine im Bus zu sitzen und sich nicht mehr sicher zu fühlen. Doch Berlin besteht nicht nur aus Innenstadtbezirken. All die Menschen, die in Außenbezirken wohnen, müssen sich von diesem Senat im Stich gelassen fühlen. Für sie ist es oft nicht so einfach, mit Öffentlichen zum Ziel zu gelangen.

Wenn sie dann auch noch etwas älter sind, nicht so mobil wie die Fahrradfahrer in Mitte, die ein teils beeindruckendes Tempo vorlegen, ist die Situation umso schwieriger. Einkaufen, Arztbesuche, Freunde treffen, ins Restaurant gehen – das geht oft nur, wenn das eigene Auto zur Verfügung steht. Wenn man den Klimaschutz vorantreiben will, muss man bessere Angebote schaffen – auch am Rand der Stadt.

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