Kommentar

Die Not im Lehrerzimmer ist groß

Berlins Schulen sind auf Quereinsteiger angewiesen. Dagegen gibt es Vorbehalte. Dabei ist das Problem hausgemacht, meint Jens Anker.

Morgenpost-Redakteur Jens Anker.

Morgenpost-Redakteur Jens Anker.

Foto: Reto Klar

Berlin. Die Not ist groß an Berlins Schulen. Die Schülerzahlen steigen, die Pensionswelle rollt noch mindestens vier Jahre weiter, händeringend werden Lehrer gesucht, um den Bedarf zu decken. Unter einer großen Kraftanstrengung hat es Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nun geschafft, 3000 neue Lehrer einzustellen. Aber das ist auch die einzige gute Nachricht daran. Denn mehr als jeder zehnte neue Lehrer ist ein Quereinsteiger, das heißt, er oder sie hat noch nicht vor einer Klasse gestanden.

Die Gewerkschaften befürchten zu Recht, dass ein Missverhältnis in der Lehrerschaft entsteht. Während attraktive Schulen in der Innenstadt weniger Probleme haben, ausgebildete Lehrkräfte zu finden, besteht in Spandau und Marzahn-Hellersdorf noch Handlungsbedarf. Die Quereinsteiger werden künftig also vermehrt in den sozial schwächeren Schulen landen – genau dort, wo besonders qualifiziertes Personal gefragt wäre.

An vielen Schulen ist zudem noch nicht klar, wie groß der Aufwand sein wird, die Quereinsteiger durch erfahrene Lehrkräfte zu betreuen. Auch hier befürchten die Gewerkschaften zurecht Ärger im Lehrerzimmer. Schon jetzt sind die Vorbehalte unter studierten Lehrern gegenüber den Quereinsteigern groß. Es steht zu befürchten, dass sie durch den immer größer werdenden Anteil an nicht voll ausgebildeten Pädagogen wachsen.

Dabei könnte das Problem weitaus geringer sein – wenn nämlich alle, die in Berlin auf Lehramt studieren, auch in den Berliner Schuldienst wechselten. Aber das ist leider nicht so. Berlin bildet Lehrer vor allem für den Rest der Republik aus – und viele Berliner Abiturienten, die gern Lehrer werden würden, warten jahrelang auf einen Studienplatz. Das war so nicht geplant, als Berlin die Zahl der Studienplätze stark ausbaute.

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