Kommentar

Berlins Feuerwehr zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Berlins Feuerwehren müssen viel zu oft zu unnötigen Einsätzen ausrücken. Dagegen hilft nur eine Systemänderung, meint Alexander Dinger.

Foto: dpa/Reto Klar/BM Montage

Berlin. In den Berliner Wachen gibt es zu wenige Feuerwehrleute. Und zwar in allen Direktionen. Wie sehr die Feuerwehr am Limit arbeitet, bekommt man dann mit, wenn ein vergleichsweise normales Sommergewitter in der Millionenmetropole Berlin zu 56 wetterbedingten Einsätzen führt – und die größte Berufsfeuerwehr Deutschlands den Ausnahmezustand ausrufen muss. Man mag sich gar nicht vorstellen, was los ist, wenn in der Hauptstadt einmal wirklich etwas passiert.

Das Problem ist allerdings schon sehr lange bekannt. Legt man die Zahlen für die einzelnen Feuerwehr-Wachen nebeneinander, entsteht ein flächendeckendes Bild für ganz Berlin. Und da redet man noch nicht über die Freiwilligen Feuerwehren und den Katastrophenschutz, bei denen die Lage oft noch trostloser aussieht als bei den Berufsfeuerwehren. Man muss es ganz klar sagen: Diese Unterversorgung ist lebensgefährlich.

Seit Jahren steigt die Zahl der Einsätze – von Rekord zu Rekord. Nur halten die Personaleinstellungen nicht Schritt und werden es auf absehbare Zeit auch nicht tun. Denn Berlin wächst rasant weiter, und viele Berliner wählen leider lieber den Notruf, als zum Hausarzt zu gehen oder den Keller selbst auszupumpen. Darüber kann man sich beklagen – oder aber endlich das System ändern.

Doch wie sähe so eine Änderung aus? Man könnte zum Beispiel die Feuerwehr-Leitstelle, in der alle Notrufe zusammenlaufen, neu strukturieren. Zeitgleich muss der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst massiv ausgebaut werden, damit er weniger schlimme Einsätze übernehmen kann. Hier muss klarer zwischen lebensbedrohlichen und nicht lebensbedrohlichen Zuständen unterschieden werden. Passiert das nicht, steht die Berliner Feuerwehr am Ende selbst vorm Kollaps.

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