Kommentar

Sinkende Mieten können Fachgeschäfte entlasten

Sinkende oder stagnierende Mieten bieten solchen Anbietern die Chance, in der Stadt präsent zu bleiben, meint Joachim Fahrun.

Joachim Fahrun

Joachim Fahrun

Foto: Reto Klar

Berlin. 340 Euro pro Quadratmeter im Monat kostet die Spitzenmiete für einen Laden am Tauentzien. Wenn so viel Geld bezahlt wird, sollte eigentlich alles in Ordnung sein mit dem Berliner Einzelhandel. Aber während an der wichtigsten Shopping-Meile der City West und anderswo im Stadtzentrum die Mieten gestiegen sind, sinken die Preise für Ladengeschäfte in vielen Außenbezirken, aber auch in Teilen der Innenstadt.

Das muss nicht schlimm sein. Höchstmieten bezahlen ohnehin nur finanzstarke Filialisten. Das Fachgeschäft, das zwar alle toll finden, aber doch nur selten dort einkaufen, kann sich solche Preise ohnehin nicht leisten. Sinkende oder stagnierende Mieten bieten solchen Anbietern vielleicht doch die Chance, in der Stadt präsent zu bleiben. Nichts spricht dagegen, wenn Einkaufsstraßen vor allem den umliegenden Kiez versorgen und die Mieter nicht mit internationalen Ketten um Geschäftsräume konkurrieren müssen.

Die höchst unterschiedliche Entwicklung der Berliner Einkaufsstraßen macht aber auch den Handlungsbedarf deutlich. Langfristig wird sich der klassische Textilien- und Schuh-Einzelhandel wohl nur noch an wenigen, hochfrequentierten Orten lohnen. Die Online-Konkurrenz lässt den Kuchen für die stationären Händler schrumpfen. Um einfach nur ein T-Shirt zu kaufen, muss niemand mehr das Haus verlassen.

Die Einkaufsstraßen müssen sehen, dass sie für die Kunden attraktiver werden. Es muss angenehm und entspannt sein, dort zu flanieren, schöner jedenfalls als in einer tageslichtlosen Mall. Dazu gehört auch, dass es mehr Platz zum Verweilen gibt und weniger Autoabgase. Die alte Fußgängerzone ist da nur selten ein Modell. Aber Anrainer und Politik sollten sich jede Straße einzeln vornehmen, um sie für Passanten, Kunden und Anlieger so komfortabel wie möglich zu gestalten.

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