Kommentar

Digitalisierung von Firmen ist nicht Aufgabe der Politik

Ramona Pop braucht eine schlüssige Begründung für die Digitalagentur, meint Dominik Bath.

Es gibt genügend Beispiele, die zeigen, welche Chancen, aber auch welche Risiken der digitale Wandel mit sich bringt. Verschlafen es Firmen, sich rechtzeitig auf die Veränderungen durch die Digitalisierung einzustellen, können sie daran zugrunde gehen. Gelingt es Unternehmen aber, neue Geschäftsmodelle über digitale Kanäle aufzubauen, ist auch rasantes Wachstum möglich. Deutschen Firmen wird nachgesagt, bislang die Chancen der Digitalisierung zu wenig genutzt zu haben. Das ist auch in Berlin so. Natürlich gibt es leuchtende Beispiele wie Zalando oder einige Start-ups, denen es gelungen ist, erfolgreich digitale Erlösmodelle aufzubauen. Doch bei dem Großteil der Firmen sind die Digitalisierungsbemühungen noch am Anfang. Das ist so, weil es kleinen Betrieben schwerer fällt, für diese wichtige Zukunftsaufgabe neben dem Tagesgeschäft Personal abzustellen.

Insofern ist der Gedanke von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, kleinere Firmen bei der Digitalisierung stärker an die Hand zu nehmen, durchaus richtig. Allerdings gibt es nach der Kritik durch den Landesrechnungshof berechtigte Zweifel, ob dafür die Gründung eines neuen Landesunternehmens – der Digitalagentur – der beste Weg ist. Gelingt der Senatorin dafür keine schlüssige Begründung, wird sie ihr Projekt begraben müssen.

Viele Argumente, was ausgerechnet das Land dazu befähigt, Unternehmen beim digitalen Wandel beraten zu wollen, dürfte die Politik ohnehin nicht finden. Die eigene Verwaltung jedenfalls liefert dafür noch keine schlüssigen Anhaltspunkte. Zwar gibt sich das Land Mühe, hat auch personell bei den Spitzenkräften, die das Thema betreuen, nochmal nachgelegt. Doch der Weg, Ämter und Behörden fit für die digitale Zukunft zu machen, wird noch weit sein. Darauf aber sollte sich die öffentliche Hand konzentrieren.