Kommentar

365-Euro-Ticket: Müller erweist Berlin einen Bärendienst

Gerade als der Verkehrsverbund intern über eine Tariferhöhung verhandelt, erklärt Michael Müller sein politisches Ziel.

Mit seinem Vorstoß will Müller seine im Umfragetief befindliche Partei gegen die Grünen auf dem Feld des Umweltschutzes in die Offensive bringen, meint Thomas Fülling.

Mit seinem Vorstoß will Müller seine im Umfragetief befindliche Partei gegen die Grünen auf dem Feld des Umweltschutzes in die Offensive bringen, meint Thomas Fülling.

Foto: dpa/BM

Berlin. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) ist eine der wenigen Einrichtungen, die nach der gescheiterten Länderehe heute gut funktionieren. Er ermöglicht es Berlinern wie Brandenburgern gleichermaßen, mit Bus und Bahn ins jeweils andere Bundesland zu fahren, ohne sich an der Ländergrenze ein zweites Ticket kaufen zu müssen.

Ein großer Vorteil für Berufspendler ebenso wie Kulturinteressierte oder Ausflügler ins Grüne. Ein solch großer und starker Verbund ist längst keine Selbstverständlichkeit: In Hessen und Nordrhein-Westfalen gibt es vier unterschiedliche Verkehrsverbünde, in Bayern gar mehr als drei Dutzend.

Brandenburger müssen nach Berliner Pfeife tanzen

Gerade diese wichtige länderübergreifende Institution hat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) jetzt ernsthaft in Gefahr gebracht. Die Brandenburger haben es bereits seit Längerem satt, dass sie in der Tarifpolitik für den öffentlichen Nahverkehr nach der Berliner Pfeife tanzen müssen. Anders als etwa die Berliner Verkehrsbetriebe können sie meist nicht mit stark wachsenden Fahrgastzahlen und immer höheren Landeszuschüssen rechnen.

Michael Müller will SPD aus Umfragetief holen

Ausgerechnet in der Phase, als im Verkehrsverbund intern über eine Tariferhöhung für Anfang nächsten Jahres verhandelt wird, erklärt Müller sein politisches Ziel, den Preis für das Jahresticket nach Wiener Vorbild schrittweise auf 365 Jahr senken zu wollen. Die Absicht ist klar: Mit seinem Vorstoß will Müller seine im Umfragetief befindliche Partei gegen die Grünen auf dem Feld des Umweltschutzes in die Offensive bringen.

Gefährdet er damit aber gleichzeitig den bewährten Verkehrsverbund, erweist er Berlin einen Bärendienst. Denn nicht gegen die Brandenburger, sondern nur gemeinsam mit ihnen lässt sich der gewünschte Wandel zu mehr umweltfreundlicher Mobilität in der Hauptstadtregion erreichen.