Kommentar

Der Kampf gegen Fluglärm muss ernst genommen werden

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke fordert mehr Nachtruhe am BER. Ein nachvollziehbarer Wunsch, meint Joachim Fahrun.

Der Kampf gegen Fluglärm muss ernst genommen werden, meint Joachim Fahrun.

Der Kampf gegen Fluglärm muss ernst genommen werden, meint Joachim Fahrun.

Foto: dpa/Maurizio Gambarimi / BM

Berlin. Ein landender Düsenjet ein paar Hundert Meter über den Köpfen von Menschen ist nie angenehm. Schon gar nicht um halb sechs Uhr morgens. Insofern ist es nachvollziehbar, wenn ein Landesvater wie Dietmar Woidke sich um die Erholung seiner Bürger sorgt und für mehr Ruhe am BER plädiert.

Man muss jedoch kein Prophet sein um vorherzusagen, dass Brandenburgs Ministerpräsident vor der Landtagswahl im September keine konkrete Antwort der anderen Gesellschafter Bund und Berlin bekommen wird. Zumindest wird ihm niemand den Wunsch nach Ruhe zwischen fünf und sechs Uhr morgens brüsk verweigern. Zu gefährdet ist die Position der Brandenburger SPD, als dass seine Berliner Parteifreunde oder auch Bundesvertreter Woidke mit einer Absage Knüppel zwischen die Beine werfen und damit die Wahlchancen der AfD weiter befördern würden.

Hintergrund: Nachtflugverbot am BER könnte ausgeweitet werden

Grundsätzlich sollte vor 6 Uhr Ruhe herrschen

Die Brandenburger fordern als Hauptbetroffene längere Ruhezeiten. Ein Volksbegehren hat alle Parteien auf dieses Ziel festgelegt. Die anderen verweisen eher auf die Wirtschaftlichkeit des BER, auf dem wegen der explodierten Baukosten hohe Schulden lasten. Das Recht steht aufseiten derjenigen, die die Nacht kurz halten wollen. So ist der Flughafen genehmigt. Gleichwohl wäre es wenig intelligent, einem Partner alle Wünsche zu verweigern. Man braucht auch in Potsdam und in Lübbenau Wohlwollen für das BER-Projekt.

Der Kampf gegen Fluglärm muss ernst genommen werden. Leisere Jets, höhere Gebühren für laute Maschinen, Wechsel der Start- und Landebahnen in den Tagesrandstunden, steilere Abflugkurven, all das muss kommen. Grundsätzlich sollte vor 6 Uhr Ruhe herrschen. Wenn aber ein voll besetzter Langstreckenjet um 5.30 Uhr in Berlin landen möchte, wäre es töricht, ihn abzuweisen. Denn Berlin braucht internationale Verbindungen.