Kommentar

Bitte nicht die gleichen Fehler wie beim BER!

Der Senat will bei der BVG auf E-Busse umstellen. Eine Riesen-Investition mit großem Debakel-Potential, schreibt Isabell Jürgens.

Isabell Jürgens kommentiert die Umstellung der BVG-Flotte auf Elektroantrieb.

Isabell Jürgens kommentiert die Umstellung der BVG-Flotte auf Elektroantrieb.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin will milliardenschwere Investitionen in den Verkehr der Zukunft tätigen. Nein, es geht dabei nicht um den Hauptstadtflughafen BER, der (vielleicht) im kommenden Jahr eröffnen wird und wie bekannt bereits ein halbes Dutzend Milliarden Euro verschlungen hat. Obwohl sich Parallelen zum ebenfalls großangelegten Infrastrukturprojekt in Schönefeld unschön aufdrängen, wenn es um ein weiteres „Vorzeigeprojekt“ des Landes Berlin geht.

Es geht um die aus 1400 Fahrzeugen bestehende BVG-Busflotte, die der rot-rot-grüne Senat auf Antriebe ohne Verbrennungsmotoren umstellen will. Der Anfang ist bereits gemacht, 90 neue Elektro-Busse sind bestellt, im kommenden Jahr stehen damit 140 dieser Fahrzeuge zur Verfügung, die Berlins Luft abgasfreier machen sollen.

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Soweit der ehrgeizige Plan, soweit die gute Absicht – doch hat eigentlich irgendwer an verantwortlicher Stelle mal eine Kosten-Nutzen-Analyse vorgelegt, gerne auch unter besonderer Berücksichtigung ökologischer Belange? Offenbar nicht, denn sonst würden nicht Unsummen in eine unausgereifte Technik investiert, die sich bislang vor allem dadurch auszeichnet, dass sie extrem teuer und extrem unzuverlässig ist.

Und die obendrein auch nur dann als umweltschonend gelten kann, wenn man allein die Luftqualität im Berliner Straßenverkehr betrachtet und ausblendet, dass der CO2-Ausstoß bei der Akku-Produktion gigantisch hoch ist und die Gewinnung des für die Herstellung der Batterien notwendige Metall Lithium in den Abbau-Ländern schlimmste Umweltschäden verursacht.

Doch zum Glück ist es, anders als beim BER, noch nicht zu spät für eine vorurteilsfreie Abwägung. Beim BER hat man auf die Expertise von Fachleuten beim Konstrukt der Bauherrenschaft und der Wahl des Standortes verzichtet – mit bekannten Folgen. Bitte diesen Fehler nicht wiederholen!