Kommentar

Unwürdiges Geschacher um freien Museumseintritt

Berlin und der Bund streiten um den kostenfreien Eintritt in Berliner Museen. Dieser Streit ist unwürdig, meint Jens Anker.

Jens Anker.

Jens Anker.

Foto: Reto Klar

Berlin. Ein Ort für alle soll er sein, der Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt Forum in der historischen Mitte. 2002 vom Bundestag beschlossen, nähert sich das Projekt der Vollendung. Ende des Jahres soll Eröffnung sein. Der monumentale Bau soll ein weltumspannender Kultur- und Dialogort werden. Gleichzeitig bietet der Schlossneubau Gelegenheit, sich über das schwierige Verhältnis zwischen Deutschland und seiner Hauptstadt zu vergewissern: Für was steht die Hauptstadt im vereinigten Deutschland?

Eine Diskussion darüber wäre wünschenswert. Denn obwohl der Hauptstadtbeschluss nun 28 Jahre zurückliegt, fremdeln weite Teile des Landes noch immer mit Berlin. Während die Stadt sich zu einem internationalen Magneten entwickelt hat, nutzen viele im eigenen Land jede Gelegenheit, Berlin mit Ablehnung und Häme zu überziehen. Mit Berlin-Bashing lassen sich immer noch billig Aufmerksamkeitspunkte erzielen. Anders als in Frankreich, Italien oder Großbritannien, hat Berlin seine Rolle als Hauptstadt noch nicht gefunden.

Umso wichtiger ist der Wiederaufbau des Schlosses samt Humboldt Forum. Doch anstatt sich über diese Fragen Gedanken zu machen, gibt es Ärger ums Geld. Bund und Berlin streiten über kostenfreien Eintritt in die Museen der Stadt – auch in das Humboldt Forum: Berlin will dort für seine Räume Eintritt verlangen, den Bund ärgert das. Nun beschäftigt eine neue Volte die Kulturpolitiker. Soll es an einem Sonntag im Monat für alle Museen freien Eintritt geben – und wer zahlt für die Ausfälle?

Dieser Streit ist unwürdig, schon allein wegen der 750 Millionen Euro, die der Bund für die Hauptstadtkultur bereitstellt. Berlin sollte da nicht knausern – weil es um weit wichtigere Dinge geht als freien oder kostenpflichtigen Eintritt: um Berlins künftige Rolle als Hauptstadt.

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