Kommentar

Ein autofreier Tauentzien ist eine gute Idee

Mit weniger Autos wird die City West lebenswerter, meint Carolin Brühl.

Die Idee eines autofreien Tauentzien hat tatsächlich ihren Reiz. Es wäre endlich mehr Platz zum Schlendern da – auch in der Adventszeit, wenn die Buden des Weihnachtsmarkts den schmalen Streifen für die Fußgänger noch schmaler machen. Der Mittelstreifen könnte für Cafés oder vielleicht sogar eine Boule-Bahn genutzt werden. Träume gibt es genug.

Fußgängerzonen haben sich in Berlin zwar nie flächendeckend durchgesetzt, die wenigen Beispiele sind auch eher nicht vorzeigbar. Zwischen Wittenbergplatz und Joachimsthaler Straße könnte es aber klappen: Der Verkehr wäre relativ unproblematisch über Lietzenburger und Budapester Straße umzulenken und die Parkhäuser sind von da über Seitenstraßen gut erreichbar. Je nachdem, auf welches Konzept man sich nach einer Testphase einigt, könnten vielleicht ja auch Busse, Taxen und bis zu einer bestimmten Uhrzeit auch Lieferverkehr weiter durch die verkehrsberuhigte Zone fahren. Beispiele für eine solche Koexistenz gibt es inzwischen genug in anderen Metropolen.

Innenstädte müssen mehr bieten als das Internet

Gedient wäre damit eigentlich allen. Selbst Autofahrer hätten keine größeren Komfort-Einbußen. Allein es fehlt, wie so oft in Berlin, der Mut eine Idee, an der seit Jahren gesponnen wird, umzusetzen, vor allem schnell umzusetzen. Die Entwicklungen fordern jetzt schon ihren Tribut. Denn wer will sich schon an einem Adventswochende zum Schuhekaufen ins Gewühl stürzen, wenn er eine solche Transaktion gemütlicher bei einer Tasse Kaffee per Mausklick zuhause erledigen kann. Innenstädte müssen mehr bieten als das Internet. An Tauentzien und einem Teil des Kudamm könnte man relativ schnell mit weniger Verkehr mehr Aufenthaltsqualität schaffen. Wenn man es denn anpacken will.