Meinung

Rechtsstaat zeigt im Thai-Park, woran er im Görli scheitert

Wer gegen Essensverkäufer (!) im Preußenpark durchgreift, sollte auch im Görli Stärke zeigen, meint Sebastian Geisler.

Die Verkäufer im Preußenpark verkaufen Essen. Vielleicht sollte man mal gegen Drogendealer durchgreifen?, fragt sich Sebastian Geisler

Die Verkäufer im Preußenpark verkaufen Essen. Vielleicht sollte man mal gegen Drogendealer durchgreifen?, fragt sich Sebastian Geisler

Foto: Caroline Bock/dpa; Maurizio Gambarini (Montage)

Berlin kann einen doch immer wieder überraschen: Am Sonnabend haben drei Polizisten und zehn Mitarbeiter des Ordnungsamts im Preußenpark die Park- und Grünanlagenverordnung durchgesetzt. Von nicht abgestiegenen Radfahrern wurden gar Personalien erfasst. In dem Park geht ansonsten nämlich Erstaunliches vor sich: Menschen machen sich am Wochenende daran, dort den „Thai-Markt“ aufzubauen, auf dem Rasen sitzend asiatisches Essen zu brutzeln und zu verkaufen. Bei Touristen und vielen Berlinern hat die Bezeichnung „Thaipark“ daher gar den offiziellen Namen Preußenpark abgelöst.

Nun muss man sagen: Ja, der Park ist „übernutzt“, ja, die Betreiber der kleinen Stände arbeiten nicht mit Registrierkassen und zahlen keinerlei Steuern auf ihre Produkte (anders als der Dönerimbiss nebenan - und das kann man nicht fair finden), ja, die hygienischen Zustände sind zumindest nicht staatlich überprüft, ja, es kommt zu Anwohnerbeschwerden. Und doch überrascht die Aktivität. Denn der Rechtsstaat fährt im Preußenpark gegen Essensverkäufer (!) plötzlich eine harte Linie, während er die Drogendealer im Görlitzer Park gewähren lässt.

Man könnte nun damit argumentieren, dass die Situationen in den beiden Parks nicht vergleichbar sei. Tatsächlich gibt es Unterschiede: So kommt es im Umfeld der Drogendealer im Görlitzer Park zu Messerangriffen und Vergewaltigungen. Dealer griffen auch schon Passanten mit Messern an, die den Kauf von Drogen ablehnten.

Thaifood-Verkäufer greifen ihre Kunden nicht mit Messern an

Dass die Essensverkäufer im Preußenpark ihre Kunden mit Messern angreifen, wenn sie den Kauf ihrer Ware ablehnen, wäre mir nicht bekannt. Und dass die Drogendealer renitenter auftreten als die „Thaipark“-Verkäufer, darf nicht dazu führen, dass man erstere gewähren lässt.

Was mir auffällt: Der „Thaipark“ ist sehr gut organisiert. Wenn die Verkäufer am Ende eines Markttages ihre Sachen zusammenraffen und einpacken, geht jemand mit blauem Sack über den Platz und sammelt liegengebliebenen Müll und Essensreste ein. So sah es, als ich dort war, hinterher sauberer aus als vorher. Man pflegt diesen Park. Dass die Dealer so um das Erscheinungsbild des „Görli“ besorgt sind, wäre mir ebenfalls neu.

Anwohnerbeschwerden gibt es natürlich auch am Görlitzer Park. Die scheinen die politisch Verantwortlichen aber nicht zu kümmern. Stattdessen erklärt man die Drogendealer zu „Parknutzer*innen“, mit denen man offenbar ein gutes Auskommen wünscht.

Kontrollieren und Wiesen freimachen für normale Bürger

Die Maßnahmen von Ordnungsamt und Polizei zeigen im Preußenpark durchaus Wirkung. Der Außendienstleiter des Ordnungsamt sah am Sonnabend den „Effekt, dass heute auch kein Thai-Food verkauft wird. Ich habe die Wiese in den vergangenen zehn Jahren noch nie so leer gesehen.“

Das wäre doch mal eine Idee für staatliches Handeln im Görlitzer Park! Durchgreifen, damit dann tatsächlich das illegale Geschäft zum Erliegen kommt. Kontrollieren und die Wiesen freimachen für normale Bürger, für Eltern mit ihren Kindern.

Auch Dealer aus dem "Görli" verlegen: in die JVA

Im Preußenpark soll der „Thai-Markt“ übrigens verlegt werden. Ich würde vorschlagen, auch die messerbewehrten Dealer aus dem Görlitzer Park zu verlegen. Zum Beispiel in die JVA Tegel. Und in jenen Fällen, in denen es rechtsstaatlich geboten ist, in ein Abschiebeflugzeug.

Auch über die Zustände am U-Bahnhof Warschauer Straße regte sich unser Autor auf:

Und die Vermüllung der Stadt ärgert ihn:

Die Parkraumbewirtschaftung hält Sebastian Geisler für einen bürokratischen Witz:

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