Kommentar

Der Mauerpark ist unbezahlbar

Keiner hat die Absicht, einen Zaun um den Mauerpark zu bauen. Gut so, meint Martin Nejezchleba.

Foto: Reto Klar/dpa/BM Montage

Berlin. Mehr Berlin als im Mauerpark geht nicht. Die Erfolgsgeschichte dieser Stadt, sie wird auf diesem kargen Stück Grün zwischen Wedding und Pankow gefeierte Realität. Einst war hier ein Streifen des Todes, der Zwischenraum zwischen den verfeindeten Systemen, die dieses Land und diese Stadt über 40 Jahre lang trennten. Mit der Wiedervereinigung wurde der Angstraum zum Freiraum, zum Ort der Begegnung, der Kreativität, der Lebensfreude. Wer um dieses kostbare Stück Berlin einen Zaun ziehen möchte und Eintritt verlangen will, der hat Berlin nicht verstanden.

Klar: Beratungsagenturen sind keine Politiker, und der Vorschlag, den Zutritt zum Mauerpark wegen Touristen-Überfüllung zu beschränken, war eben nur das: ein Vorschlag. Einer von vielen, die in einem umfangreichen Tourismuskonzept für Pankow aufgelistet wurden.

Der Linken-Bezirksbürgermeister Sören Benn hat die hitzige Debatte um Einlassbeschränkung und Eintrittsgelder schnell vom Tisch gefegt hat: Niemand in Pankow hat die Absicht, einen Zaun zu bauen. Gut so! Denn gerade in einer wachsenden, sich verdichtenden und prosperierenden Stadt müssen wir uns Freiräume bewahren. Öffentliche Parks gehören nicht nur denen, die sich den Eintritt leisten können, sie gehören – es ist ja kaum zu überlesen – der Öffentlichkeit. Es gibt berechtigte Kritik von Anwohnern: zu viel Müll, zu viel Lärm, zu viel Ballermann. Und wieder wird der Mauerpark zum Brennglas für Entwicklungen in der ganzen Stadt.

Die Politik, die Gesellschaft, wir alle müssen uns fragen, wie wir mit den Wachstumsschmerzen der Stadt umgehen. Wie verteilen wir das Interesse von Touristen auf die ganze Stadt? Wie feiern wir unsere Freiräume, ohne den Respekt voreinander zu verlieren? Wie bleibt genügend Platz für alle?

Zäune zu bauen, war noch nie eine gute Antwort.

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