Kommentar

Clan-Fall in Spandau – Nehmt die Sorgen der Menschen ernst!

Behörden und Politiker müssen den Menschen helfen, fordert Alexander Dinger.

Für die Eigentümer und Mieter der Falkenhagener Straße in Spandau waren die vergangenen fünf Jahre ein Martyrium, beobachtet Alexander Dinger.

Für die Eigentümer und Mieter der Falkenhagener Straße in Spandau waren die vergangenen fünf Jahre ein Martyrium, beobachtet Alexander Dinger.

Berlin. Nichts ist privater als die eigenen vier Wände. Ist die Sicherheit hier bedroht, kippt das Vertrauen in den Rechtsstaat. Behörden und Politiker, die das nicht erkennen, handeln fahrlässig und beschädigen das Vertrauen in eben jenen Rechtsstaat.

Warum? Für die Eigentümer und Mieter der Falkenhagener Straße waren die vergangenen fünf Jahre ein Martyrium. Eine Bewohnerin, die seit 1984 in der Anlage wohnt, sagte, dass das Leben die Hölle sei, seit der Clan-Mann O. in dem Haus wohnt. Die Bewohner haben alles dokumentiert und sich an die Behörden gewandt. Dort wurden ihre Sorgen und Ängste als Nachbarschaftsstreitigkeiten abgetan. Zur Erinnerung: O. hat mehrere Vorstrafen, Clan-Verbindungen und wurde bereits 300-mal als Tatverdächtiger in Ermittlungsverfahren geführt.

Trotzdem blieben die Bewohner ruhig, versuchten immer wieder, den korrekten Weg einzuhalten und schalteten erst zum Schluss, als es nicht mehr weiterging, die Medien ein. Und plötzlich kommt Bewegung in die Sache. Die Staatsanwaltschaft übernimmt, und die Behörden werden aktiv.

SPD-Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank hat völlig recht mit seiner Erkenntnis, dass Behörden besser zusammenarbeiten und etwas sensibler werden müssen. Das sind Erfahrungen, die auch schon seine Neuköllner Kollegen machen mussten, wenn etwa ein auf dem Papier mittelloser Clan-Mann Immobilien aus städtischem Besitz kaufen kann. So etwas kann nicht sein.

Die Problematik hat nämlich noch einen gesellschaftspolitischen Rahmen. Die Bewohner schalteten zuerst Bezirkspolitiker ein, in der Hoffnung, dass ihnen geholfen wird. Rechtsaußen-Parteien, die auf das Thema aufspringen wollten, haben sie ignoriert. Würde es die Bezirkspolitik nicht schaffen, zu helfen, wäre das ein fatales Signal.