Kommentar

Jugendberufsagenturen: Niemand soll verloren gehen

Trotz Anlaufproblemen sind Jugendberufsagenturen richtig, meint Joachim Fahrun.

Joahim Fahrun

Joahim Fahrun

Foto: Sonja Wurtscheid/dpa /Reto Klar

Viel zu lange gingen zu viele Jugendliche einfach verloren. Sie verließen die Schule mit oder ohne Abschluss. Suchten sich irgendwelche Jobs. Machten Geschäftchen. Oder sie taten gar nichts. Wenn sie Geld brauchten, schlugen sich mit den Jobcentern herum, kassierten mal eine Sanktion oder absolvierten lustlos mehr oder weniger sinnvolle Maßnahmen. Irgendwann saßen sie da, ohne Zeugnis, ohne Qualifikation, ohne Beruf.

Dieser Befund und die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen könne, führte in Berlin zur Gründung der Jugendberufsagenturen. Die in anderen Städten eingeführte Idee ist so schlagend, dass man sich fragt, warum man nicht schon viel früher handelte.

Berufsberater, Coaches, Sozialarbeiter, alle arbeiten in den Jugendberufsagenturen zusammen. Denn wer zu viele Drogen nimmt, dem hilft zunächst auch keine Ausbildung weiter. Wer unter Schulden ächzt, wird kaum motiviert in den neuen Job starten, weil ihm sowieso nichts übrig bleibt. Diese Probleme zusammen zu denken, die Jugendlichen individuell in den Blick zu nehmen und zu unterstützen, ist in jedem Falle richtig.

Staat muss sich um die Heranwachsenden kümmern

Dass der Senat noch immer nicht genau sagen kann, was die Agenturen denn nun wirklich gebracht haben, ist zwar bedauerlich. Dieser Mangel ändert aber nichts am richtigen Grundansatz. Der Staat hat die Aufgabe, sich um die Heranwachsenden zu kümmern. Dass man nicht alle erreichen wird, ist auch klar.

Aber insgesamt zeigt sich ein positives Bild. Viel weniger junge Leute als früher haben weder Arbeitsplatz noch und Lehrstelle, auch wenn die Betriebe immer noch zu wenige Ausbildungsplätze anbieten. Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel machen die Jungen zur wichtigsten Ressource für die Zukunft. Da kann die Agentur, die sich um diese kümmert, gar nicht leistungsfähig genug sein.