Kommentar

Die Modernisierung von Berlins Verwaltung ist alternativlos

In Berlins Behörden wurde viel zu lange viel zu wenig entschieden. Das muss sich dringend ändern, meint Joachim Fahrun.

Joachim Fahrun

Joachim Fahrun

Foto: Reto Klar

„Alternativlos“ ist ja so ein Begriff, den man man sparsam verwenden sollte. Wenn es aber um die Modernisierung der Berliner Administration geht, dann führt tatsächlich kein Weg daran vorbei, sie schneller und effizienter zu machen.

Die Probleme sind die unklare Aufteilung der Aufgaben zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen in Senat und Bezirken. Und eine Angst-Kultur unter vielen Mitarbeitern, die lieber gar nicht entscheiden, als sich angreifbar zu machen.

Wer von außen ins Berliner Gestrüpp zwischen Politik und Behörden steigt wie der Verwaltungsreform-Staatssekretär Frank Nägele, erkennt, dass die Ämter in Berlin viel schlechter arbeiten als ihre Pendants anderswo in Deutschland – trotz gleicher Bundesgesetze und der Chance, als Stadtstaat viele Dinge selbst zu regeln.

Für die Gründe muss man Verständnis haben. Geteilte Stadt, Wiedervereinigung, Einstellungsstopp, Personalabbau, zuletzt stürmisches Wachstum. Kein Verständnis darf es jedoch geben für diejenigen, die mit dem Status Quo zufrieden sind und so angesichts der heranrollenden Pensionierungswelle den Kollaps riskieren.

Dass die Senatsverwaltungen Vorgaben machen und die Bezirke diese nach eigener Verantwortung umsetzen, darf in der Einheitsgemeinde Berlin nicht in Frage stehen. Dass Führungskräfte nicht nur Akten abarbeiten, sollte selbstverständlich sein. Dass die Bezirksämter in ganz Berlin gleich organisiert sein sollten, ist auch logisch. Dass Bürgermeister mehr zu sagen haben müssen als Stadträte leuchtet ein, weil es klare Verantwortlichkeiten geben muss.

Nach Jahren der Schuldzuweisungen haben sich Senat und Bezirke endlich auf den Weg begeben, die Defizite systematisch anzugehen. Das setzt ein gemeinsames Verständnis voraus, was man erreichen möchte: besseren Service, mehr Geschwindigkeit und Transparenz. Kein Hexenwerk. Man muss es nur wollen.