Kommentar

Berlin braucht seine Taxis - und muss sie gut bezahlen

Vor einem Jahr haben die Taxiverbände eine Preiserhöhung beantragt. Der Senat sollte sie nun zügig genehmigen, meint Andreas Abel.

Die Taxipreise sollen steigen. Das ist unumgänglich, schreibt Andreas Abel

Die Taxipreise sollen steigen. Das ist unumgänglich, schreibt Andreas Abel

Foto: dpa/Hollemann; Maurizio Gambarini (Montage)

Taxis bieten teuren Individualverkehr für reiche Menschen und verstopfen unnötig die Straßen? Wer so denkt, ist entweder böswillig oder naiv. Taxis sind, auch in Berlin, ein unverzichtbarer Teil des öffentlichen Nahverkehrs. Deshalb darf sich der Senat einer Tariferhöhung nicht verweigern, denn die Betriebe und ihre Fahrer – oft ist dies ja in Ein-Personen-Unternehmen identisch – benötigen auskömmliche Einnahmen.

Seit der letzten Preiserhöhung sind immerhin schon vier Jahre vergangen. Das Gewerbe steht indes stark unter Druck. Der Mindestlohn wurde seit dem letzten Tarifsprung mehrfach erhöht, Benzinpreise und Werkstattkosten kletterten spürbar. Und schließlich wuchs mit Car-Sharing-Angeboten und privaten Fahrdiensten wie Uber eine starke Konkurrenz heran. Dabei ist das Taxigewerbe verpflichtet, das gesamte Stadtgebiet zu jeder Tages- und Nachtzeit abzudecken. Von solchen Auflagen ist die Konkurrenz freigestellt. Abgesehen davon sind Mietautos für alte und kranke Menschen in aller Regel keine Alternative zum Taxi.

Der Anstieg ist nachvollziehbar

Die von den Taxiverbänden bereits im April 2018 beantragte Preiserhöhung würde, je nach Strecke, Mehrkosten von meist acht bis zehn Prozent bedeuten. Darüber freut sich natürlich kein Verbraucher. Doch bei näherem Hinsehen ist dieser Anstieg nachvollziehbar. Weniger verständlich ist, dass Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos für Grüne) ein Jahr gebraucht hat, um den Antrag auf die politische Agenda zu setzen. Nun heißt es, eine Entscheidung des Senats vor der Sommerpause wäre „zeitlich ehrgeizig, aber nicht ausgeschlossen“. Dabei hat ein Gutachten die Notwendigkeit der Tariferhöhung längst bestätigt. Es wäre also schön, wenn Regine Günther und ihre Senatskollegen und -kolleginnen den entsprechenden Ehrgeiz entwickeln könnten. Das Taxigewerbe hätte es verdient.