Kommentar

Investitionen in die Berliner Infrastruktur sind notwendig

Die sich zuletzt häufenden Sperrungen sind Alarmzeichen. Zu lange wurde zu wenig in den Erhalt der Infrastruktur investiert.

Eine U-Bahn steht zur Abfahrt bereit.

Eine U-Bahn steht zur Abfahrt bereit.

Foto: dpa, BM

Das ist ja gerade noch mal gut gegangen. Rechtzeitig, bevor etwa ein Betonbrocken auf einen fahrenden Zug fiel, haben Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) einen gefährlichen Hohlraum im U-Bahn-Tunnel zwischen Senefelderplatz und Rosa-Luxemburg-Platz entdeckt. Die beruhigende Nachricht des Vorfalls vom Donnerstag ist: Das Vorwarnsystem hat funktioniert.

Wie zuvor schon im Fall der Elsenbrücke in Friedrichshain oder der Allende-Brücke in Köpenick, wo Experten gleichfalls bei Routinekontrollen so schwere Bauschäden fanden, dass die Brücken umgehend ganz oder teilweise gesperrt wurden. Die Einschränkungen sind sicher ärgerlich. Doch kein Autofahrer, kein U-Bahn-Fahrgast dürfte ernsthaft sein Leben riskieren wollen, wenn er in der Stadt unterwegs ist.

Sperrungen sind ernstzunehmende Alarmzeichen

Die sich zuletzt häufenden Ad-hoc-Sperrungen sind aber zugleich ernstzunehmende Alarmzeichen. Sie signalisieren klar, dass zu lange zu wenig in den Erhalt und die regelmäßige Erneuerung der Infrastruktur der stetig wachsenden Millionenstadt Berlin investiert wurde. Die rigorose Sparpolitik vor allem zu Beginn des neuen Jahrtausends rächt sich nun bitter. Jetzt, wo auch die Nachfrage privater Investoren an Bauleistungen riesig ist, sind die Preise regelrecht explodiert und es fehlen akut Kapazitäten, das zu bauen, was nötig ist.

Bleibt zu hoffen, dass die Politik die richtigen Lehren aus dieser Entwicklung zieht. Statt immer neuer Sonderprogramme nach Kassenlage braucht Berlin dringend ein Langfristprogramm für die Modernisierung der Infrastruktur – mit konstant hohen und verlässlichen Investitionen in den Erhalt von Straßen, Brücken und U-Bahn-Tunneln. Angesichts erster Wolken, die am Konjunkturhimmel aufziehen, und der vielen Verpflichtungen bei den Personal- und Sozialausgaben, die Berlin zuletzt eingegangen ist, dürfte aber wieder genau das Gegenteil passieren.