Kommentar

Berlin braucht den richtigen (Rad)Weg

Der Senat will den Rad- und Nahverkehr stärken. Dafür muss auch der Raum in der Stadt umverteilt werden. Das führt zu Ärger. 

Eine Frau fährt auf einem Radweg.

Eine Frau fährt auf einem Radweg.

Foto: Bm, dpa

Auf Berlins Straßen herrscht Krieg. Die Fahrer von Autos, Velos, Lkw, Bussen, Krad, dazwischen Fußgänger: Jeder gegen jeden, alle darauf bedacht, ihren Platz nicht aufzugeben. Die Schwächsten bringen die verständliche Forderung vor, gegen blind abbiegende Laster geschützt und auf dem Rad nicht von Autofahrern abgedrängt zu werden.

Ganz klar: In dieser Stadt geht es jetzt um die Umverteilung von Raum. Der rot-rot-grüne Senat will Rad- und Nahverkehr stärken. So fallen etwa für einen in dieser Woche in Betrieb genommenen Radweg an der Hasenheide Parkplätze fort, was Anwohner und Gewerbetreibende nervt. Die Fahrbahn wird größtenteils auf eine Spur reduziert und eine neue Staustelle geschaffen. Bei vielen hockt da täglich der Zorn auf dem Beifahrersitz.

Schadstoffbelastung macht die Bürger krank

Andererseits macht eine unsichtbare Schadstoffbelastung die Menschen dieser Stadt krank, beginnt der Berufsstress für die meisten nicht erst am Schreibtisch, sondern nach einigen Metern im morgendlichen Verkehr, kamen 2018 laut Allgemeinem Deutschen Fahrrad-Club in Berlin elf Radfahrer um.

Für ein „weiter so!“ ist es zu spät. Aber die Umsteige-Anreize müssen stimmen. Im Bereich Rad bedeutet das: Mehr Wege, mehr Sicherheit, auch für verkehrsunerfahrene Kinder, dazu Führungen, die die Bewohner an den Stadträndern einbeziehen und schnell zum Zentrum bringen. Die Bereitschaft, umzusatteln ist bei vielen Berlinern da. Jetzt müssen ihre Bezirke liefern.