Kommentar

Ein Urteil bringt Genugtuung für VW-Kunden

Der Autokonzern wird durch eine Gerichtsentscheidung endlich zur Verantwortung gezogen, kommentiert Dominik Bath.

Foto: dpa/Jörg Krauthöfer/BM Montage

Berlin. Volkswagen kämpft weiter mit den Folgen des Skandals um illegale Abschalteinrichtungen. Immer wieder ist der Autokonzern in den vergangenen Monaten von Gerichten in dieser Sache verurteilt worden. Mal mussten die Wolfsburger Schadenersatz an betroffene Kunden zahlen, mal wurden Geschädigten sogar neue Autos zugesprochen. Dazu verurteilte das Berliner Landgericht jetzt auch ein Autohaus aus der Hauptstadt: Schon im März sprachen die Juristen einem Kläger ein neues Fahrzeug zu.

Hunderttausende weitere Verfahren sind vor deutschen Gerichten anhängig. Zwar läuft die juristische Aufarbeitung in Deutschland erst langsam an. Für die Kläger aber bedeuten Urteile wie das aus Berlin eine späte Genugtuung. Denn Volkswagen wird für den begangenen Betrug am Kunden endlich zur Verantwortung gezogen.

Dazu passt, dass auch die frühere Konzern-Spitze des Autobauers juristische Konsequenzen befürchten muss: Am Montag erhob die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage gegen den früheren Konzernchef Martin Winterkorn und vier weitere Führungskräfte. Die Vorwürfe lauten unter anderem: schwerer Betrug, Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und Untreue. Für Winterkorn geht es jetzt vor allem um sein persönliches Lebenswerk. Volkswagen hingegen dürfte der Dieselskandal auch in den nächsten Jahren weiter viel Geld kosten.

Noch ärgerlicher ist für den Konzern aber die Tatsache, dass die größte Verfehlung der Unternehmensgeschichte durch die Prozesse weiter in den Schlagzeilen auftauchen wird. Auch, wenn Volkswagen-Chef Herbert Diess zuletzt so oft von der neuen, elektrischen Zukunft schwärmte: Die Vergangenheit wird der Wolfsburger Autobauer so schnell nicht los.